Donnerstag, 26. November 2009

Im Westen nix neues

Ich weiß nicht, was es genau ist, aber jedes Mal, wenn ich diesen Artikel lese, kriege ich Kopfschmerzen.
Und Augenschmerzen.

Lassen wir einen Moment beiseit, dass er von jener unangenehmen Selbstgerechtigkeit durchzogen ist, die es dem Verfasser / der Verfasserin ermöglicht zu vergessen, dass der Frauenanteil in Physikstudiengängen doch wohl unabhängig von der kulturellen Herkunft viel zu niedrig ist, und man dieses Indiz mal zum Anlass nehmen könnte, generell über die Integration von Frauen in der deutschen Gesellschaft nachzudenken (nur mal so am Rande).

Lassen wir ebenfalls unbeachtet, dass mir nicht ganz klar ist, was im Grunde die Botschaft dieses Artikels vom Aufstieg dreier Akademikerinnen sein soll… Je höher auf der Rangleiter, desto besser integriert? Du hast es nur zur Frisörin gebracht, ergo ist dein Integrationsindex einstellig? Bei Arbeitslosigkeit gibt es Punktabzug?

Was mir einen erhöhten Augeninnendruck beschert, ist die Tatsache, dass der  Artikel unter anderem mit den Worten beginnt: "Drei integrierte Aufsteigerinnen erzählen ihre Geschichte".
Wer den Text jedoch genau liest, stolpert über Sätze wie:

"Im Studienseminar, also im Referendariat, hat man mich spüren lassen, dass ich nicht erwünscht war."

"Als Migrantin[…]reicht es nicht, 100 Prozent zu geben, um einen guten Job zu bekommen. Du musst 200 Prozent leisten."

"Es gibt immer ein Ihr und ein Wir, und das ist auf die Dauer frustrierend"

Und das ist meiner Meinung nach der Kern des Problems, über den nach wie vor nicht gesprochen wird. Man kann sich alle möglichen Maßnahmen ausdenken, die Einwanderer besser bilden, ihr Erscheinungsbild verändern und sie alles in allem so gelungen assimilieren wie die drei Frauen in besagtem Artikel. All das ändert nichts daran, dass diese Menschen auf die immer gleichen Vorbehalte treffen (siehe obige Zitate).




Wer gar ein Problem mit zu niedrigem Augeninnendruck hat und auf eine Cortisonspritze verzichten will, liest einfach die Kommentare unter dem verlinkten Artikel.