Samstag, 31. Oktober 2009

Werkzeug für Autoren - Das Notizbuch

Was dem Kaufmann sein Lager, ist dem Autor sein Notizbuch, hat ein kluger Kopf einmal gesagt.
Notizen lassen sich auf verschiedenste Weise sammeln, Auch können Notizen selbst unterschiedlichster Natur sein.
In diesem Abschnitt möchte ich aber zunächst ein paar Worte über das klassische Notizbuch verlieren, jenen hart oder weich eingebundenen Stoß Papier, versehen mit Bändchen oder ohne, Fächern, Kalender oder anderen haptischen Kostbarkeiten.

Das klassische Notizbuch hat eine erstaunliche Rückkehr erlebt, obwohl die wenigsten Käufer Hemingway oder Chatwyn gelesen haben. Tiefen Grübeleien ergeben im Café zu sitzen, eine Selbstgedrehte zwischen den erschlafften Lippen und dabei einen neumodischen Milchkaffee griffbereit mag ein romantisches Bild sein, aber für raumgreifende Schreibübungen bietet mir das Standardformat schlicht zu wenig Platz. Bei Schreibübungen aller Art (dazu später mehr) ist es wichtig, Platz zu haben, in der Birne und allemal auf dem Papier. Denn wenn man auf drei Quadratzentimetern herumstochert, werden auch die Texte etwas kleinkariert. Ich zeichne sehr gerne und die besten Lehrer werden nicht müde zu betonen, dass der Schwung am besten aus dem ganzen Arm kommen müsse. Gleiches gilt fürs Schreiben.

Außerdem: wer kritzelt schon tollkühn ein Notizbuch für 11€ mit unausgegorenen Halbgedanken voll? Da überlegt man sich jeden Satz zwei Mal. Schon läuft mein innerer Kritiker auf Hochtouren. Dieser aber soll erst anspringen, wenn man den Text redigiert! Beim Erstellen darf er meckern, aber leise, sonst komme ich zu nix.

Wer also nicht in der Lage ist, den Spruch der bildenden Künstler zu beherzigen: "Paint like a Millionaire!" (Farbe ist teuer) und also sein teures Moleskine behandelt wie den niedersten Schreibknecht, der sollte besser billig kaufen. Denn nichts ist wichtiger, als beim Schreiben in den Fluss zu kommen, der satte Formulierungen erst ermöglicht. Formulierungen sind das Salz in der Textsuppe.
Wer sehr viel über einen Text nachdenkt, bevor er ihn niederschreibt, dem kommen mitunter wunderbare Formulierungen an den unpassendsten Orten. Wenn man diese nicht sofort in irgendeiner Form speichert, sind sie weg. Ich habe in all den Jahren viel zu wenig übers Schreiben gelernt, aber wenn eine gute Formulierung an einem unpassenden Ort auftaucht, gerate ich in Panik. Denn ich weiß inzwischen, dass Formulierungen flüchtig sind. Ähnlich verhält es sich mit Motiven in der Musik, aber das nur am Rande. Für solche Syntaxüberfälle, jedenfalls, eignet sich ein kleiner Begleiter im Moleskineformat sehr gut.

Fürs Abschweifen und Ausufern jedoch müsst ihr entweder wie Millionäre schreiben oder ihr kauft ein Blanko-Textbuch, ohne Lesebändchen, ohne Kalender, ohne handgeschöpftes Büttenpapier, ohne Gummizug und ohne 40er Jahre Paris-Flair.

Ich verfolge im Übrigen beide Ansätze. das liegt aber im Wesentlichen daran, dass ich ein Notizbuchproblem habe. Ich kann sie nicht nicht kaufen. Inzwischen bekomme ich zum Geburtstag stets mehrere Notizbücher geschenkt, bunt oder edel, teuer oder billig, egal wie es daherkommt - jedes einzelne dämmt den Kaufrausch in den Folgewochen etwas ein.

Schließlich und endlich ist es stets eine aufregende und verwirrende Reise in die eigene Vergangenheit, wenn ich alte Notizbücher aus dem Regal nehme und zu blättern beginne. Gedankenwelten, die den Normalsterblichen irgendwann verloren gehen - dem Autoren bleiben sie erhalten, solange die Notizen überleben; zu seiner Erbauung oder zu seinem Verdruss. Gegen das Vergessen anschreiben ist eben nur eine Seite der Medaille. Am Ende muss man lernen, mit seinen Erinnerungen zu leben.

Freitag, 30. Oktober 2009

Werkzeug für Autoren - Der Füllfederhalter

FüllfederhaltereSchreib, um Gottes Willen, schreib!
Nichts kann das wichtigste Handwerkzeug des Autoren ersetzen - das Schreiben selbst. Es steht am Anfang und am Ende aller Bemühungen. Schreibend erschließen sich mir Probleme und Lösungen und schreibend nur erfahre ich etwas über den eigenen Standort.
Alles Planen, Gestalten, Beschreibung und Ordnen, das für das Erzählen einer Geschichte notwendig ist, hilft nicht darüber hinweg, dass irgendwann mit dem Schreiben begonnen werden muss. Das heißt, wenn man nicht sowieso kontinuierlich schreibt. Deswegen geht es hier um den Füllfederhalter anstatt um Schreibmaschine oder PC - solche Werkzeuge folgen in einem späteren Kapitel, welches mir ebenfalls am Herzen liegt.
Aber der Füllfederhalter ist das Schreibwerkzeug schlechthin - der Hammer des Autors, sozusagen.

Eine Fotodatei einer Aufnahme mit einer Digital-Mittelformat-Kamera mag das Nonplusultra an Bildqualität liefern - die technologische Schwelle für die Erstellung als auch die Betrachtung ist unglaublich hoch. Ich brauche einen PC, einen Monitor, nicht zu vergessen Elektrizität und eine gewisse Kompetenz beim Umgang mit der Technologie, damit ich die Datei geöffnet bekomme.
Mit einem analogen Farbdia brauche ich nichts als Tageslicht.

Worauf ich hinaus will?

Ich finde immer gute Gründe, nicht zu schreiben. Das Zimmer ist nicht aufgeräumt, es muss gespült werden, man könnte auch mal wieder Taiji trainieren. Wenn der Rechner läuft, locken E-Mails und Abstürze Autoren ins Verderben.
Es ist ein Mysterium.
Papier muss man nicht hochfahren. Es ist blitzschnell und unkompliziert. Es verträgt die Kalligrafie genau so gut wie die hingeschmierten Notizen meines Traumtagebuchs (in welchem auch im Halbdunkel Eintragungen vorgenommen werden, doch dazu an anderer Stelle mehr…)
Ich kann im schmierigsten Siff, im größten Chaos schreiben, wenn ich einen Füllfederhalter dabei habe, denn Papier lässt sich schnorren. Schreibfläche entsteht da, wo ich ansetze, notfalls kritzele ich auf meine Handinnenfläche. Notizen sind überlebensnotwendig für Autoren. Was dem Kaufmann sein Lager, ist der Autorin ihr Notizbuch. Und auch hier ist die niedrigste technologische Hemmschwelle Füllfederhalter und Papier.

Warum "Füllfederhalter" und nicht "Bleistift" oder "Kugelschreiber", "Inkroller" oder gar "Gänsefederkiel"?
Der Bleistift ist ungeeignet, denn er ist zu flüchtig. Schreiben ist ein Akt gegen die Vergänglichkeit, und den Graphitstaub kann man fast vom Papier pusten.
Der Kugelschreiber ist die Schlampe unter den Schreibwerkzeugen - ein Kugelschreiber macht alles mit. Wer mit Kugelschreiber Satiren schreibt, endet damit, dass er Witze über Namen macht. Glaubt mir, ich spreche aus eigener, bitterer Erfahrung.
Inkroller sind meist Einwegstifte, was verwerflich ist.
Ein Füllfederhalter, versehen mit einer Nachfüllpatrone, ist umweltfreundlich, elegant, die letze Bastion der Hochkultur in den Niederungen eines unfertigen Textes. Er hält Jahrzehnte, und da man ihn nicht achtlos weg wirft, nur weil er leer oder aufgebraucht ist, entwickelt man eine innige Beziehung zu diesem Werkzeug. Es entsteht ein tief reichendes energetisches Geflecht zwischen Material und Künstler, welches sich am Ende auf die Beziehung zum Schreiben selbst positiv auswirkt. Ich drücke meinen Füller nicht Hinz und Kunz für irgendwelche Notizen in die Hand - genau so, wie ich auch meine Gitarren nicht irgendwelchen Deppen zum darauf Herumzupfen überlasse.
Ich fand es immer schon unflätig, andere Gitarristen um ihr Instrument anzugehen (wird auf Festivals backstage gerne versucht…).
Es gilt, eine solche Beziehung zum Schreiben und zum Schreibwerkzeug aufzubauen, speziell zu diesem einem Werkzeug mit Tradition und Zukunft, einer "Waffe aus zivilisierteren Tagen".

Kannibalismus im Alltag

Es sind immer die Randgruppen, die zuerst verspeist werden...

Zigeunerleber

Sonntag, 25. Oktober 2009

Meister der Synopsis



Alles klar?

Ich verbeuge mich in Ehrfurcht vor dieser Gabe, alles in eine kurze Monsterschlagzeile zu packen.

Samstag, 24. Oktober 2009

Privacy Nightmare clicktale.com

"We record every single thing you do on our customers' websites - mouse moves, clicks everything. And we record the stuff you type in forms, even if you don't submit them. Then we put it on film."

Clicktale.com is a new way of doing website traffic analysis. If you want to use the service for a website you run all you have to do is sign up for free and paste a bit of JavaScript on your website's HTML code.

Then, the individual browsing sessions of a user get basically filmed while the website is in use: the mouse movements, scrolling, timing (hesitation before clicking a link)... it's like peeking over the user's shoulder.

So far, so interesting.

I stumbled over clicktale.com while looking for an alternative to google analytics to analyze traffic on my website www.muratkayi.de. Google keeps and owns the data you produce which I did not like.
Believe me: for a website owner the thought of being able to watch a user trying to make use of your website definitely is a tempting idea. Clicktale.com had this kinda creepy feel to it, though, from the very beginning.

What really shocked me though is, that clicktale.com advertises its ability to record every single keystroke of a user! To put it bluntly: clicktale.com is a keylogging service!
As it says on their FAQ:
"if a visitor decides to identify themselves to a website by logging in, and the specific login page is being recorded, then ClickTale will capture the visible information"

Again: when you log in to a website which makes use of clicktale.com everything you type in, will be transmitted to their servers, regardless of wether the connection is SSL-encrypted. In fact, the whole purpose of an SSL-connection (to prevent a third party from obtaining sensitive data) is being rendered completely inoperative by the website owners themselves as they transmit the data to clicktale.com.

Clicktale.com instructs its users to block sensitive fields from recording. Ohh! No problem, then, I guess?
Judging from the repeated questions by their customers about why some form data is masked in videos I would say relying on a website owner who feels it should be possible to watch your every move is laughable at best.

Why is some form data masked?
Up until January 2008, clicktale.com used to record and show everything you typed into a form, even if you decided not to submit it in the end!
Now, only submitted form data is being shown. Is that better?
"Between you and user XY", "Private messaging" - better say farewell to these concepts when using a clicktale infested website, because the website owner will watch a video of you typing and rephrasing.

So, what's the clicktale.com user experience like? Well, as the actual clicktale user is the website owner, I guess it must be a bit like this.
Funny, as long as you are not the person taking a shower.

What can you do?

You may decide not to give a damn.
You may be concerned, but decide to trust clicktale.com when they say that disabling their "services" for you individually per setting up a cookie works.
You might try to find out which websites you use make use of clicktale.com. This is a bit harder as quite frequently, website owners "forget" to announce the fact that they track website usage.
I guess welcoming a user on the homepage with "Hey, welcome, I film every fucking move you do in here and install a keylogger as we speak!" is not likely to make people stay. Go figure.

All in all: website analysis and tracking is a good thing. It helps people build working websites and reduce clutter, improving user experience. This is true for accumulated statistics. In my opinion, you cross the line to "creepy" when you decide you also need individual videos including every thing a person typed while on your website.
For test purposes with a well instructed team of test users on an unpublished website, clicktale.com is a spectacular progression from guesswork to eye-opening clarity. However, gapless surveillance on your everyday customers is an outrage.