Lasst uns spielen! Das Spiel geht ganz einfach. Ich habe mir Storycubes gekauft, welche allerlei Symbole fürs freie Assoziieren und gebundene Brillieren enthalten.

Jeden Freitag würfle ich und stelle ein solches Bild online.
Dann fangt ihr an.
Es gibt nur folgende Regeln:
- Erzähle eine Geschichte!
- Verwende die Bilder der Würfel!
Abgesehen davon sind wir frei. Wir können dichten oder Prosa schreiben, lang oder kurz, laut oder leise. Ihr dürft es meinetwegen auch mit Bildern versuchen, denn "Geschichtenerzähler" ist ein dehnbarer Begriff. Ein Comic, beispielsweise, käme einer Heldentat gleich! Wenn ihr mögt, könnt ihr die Nummerierung benutzen, um in eueren Geschichten zu zeigen, welchen Würfel ihr gerade verwertet (die Nummer in Klammern einfügen).
Meist merkt man das zwar auch ohne Hinweis, doch wer zu solchen Heldentaten wir Tobi Katze fähig ist, fügt die Nummer am besten doch mit ein.
Zitat Tobi:

"Er zog sich an!"
Als Geschichtenanfang schlage ich, neben dem Klassiker "es war einmal..." vor:
- "Eines Tages, auf dem Amt für Gerechtigkeiten..." (ein Anfang, den wir Katja Freese verdanken!)
- "Was Klaus nicht wusste, war..."
- "Am letzten Tag meines Lebens..."
Postet eure Beiträge als Kommentare hier im Weblog, denn hier findet das Spiel statt! Wir freuen uns auf euere Geschichten.
P.S.: Wegen Spamschutz muss ich alle Kommentare noch einmal sehen und aktivieren. Lasst euch also nicht ins Bockshorn jagen, das Posting klappt schon!
14 Kommentare:
Ein Traum vom Altern:
Ich weiß immer daß ein neuer Tag angebrochen ist wenn ich morgens auf der Toilette meinen tieforangenen Morgenurin mit dem seichten Plätschern eines Springbrunnens (1) aus meinem bis zum bersten gefüllten Katheder in die Schüssel presse. In meinem Alter wird man dadurch auch schon mal die eine oder andere Stunde früher als geplant wach. Da war die Morgenlatte als wachmacher früher definitiv die bessere Weckalternative. Schaue ich dann bei meiner morgendlichen Katzenwäsche auch noch in den Spiegel und sehe die tränensackverhangenen Augen (2) bei denen selbst Horst Tappert neidisch werden würde habe ich auch die feste Gewissheit daß es in den nächsten Jahren wohl keinesfalls besser werden wird. Nach dem Schonkostfrühstück meines mobilen Pflegedienstes nehme ich meinen Krückstock (3) ohne den ich mich heutzutage nur noch schwer auf den Beinen halten kann da ich in meiner Jugend elementaren Raubbau mit meinem Körper getrieben und mache mich auf Richtung Lifta Treppenlift.
Heutzutage ist um vertretbar beweglich zu bleiben gerade noch ein Spaziergang im nahegelegenen Park drin bevor ich das Gefühl habe einen Triathlon a la Joey Kelly hingelegt zu haben. Auf der Parkbank dann beim obligatorischen Taubenfüttern einen Blick in die Tageszeitung (4) werfen und mal schauen wer heute so alles den Löffel abgegeben hat. Kalle Schwansen der alte Wemser. Bei dem war der Name Programm. Frauenheld vom feinsten. Starb alleine und einsam steht in der Anzeige. So kanns gehen. Ist bei mir nicht besser. Wenn ich mal verrecke dann ärgert sich höchstens der Bengel von nebenan weil er mir nicht mehr das Bier aus dem Keller stibitzen kann. Also, übermorgen 10.30 Uhr aufm Kortenfriedhof. Hoffendlich gibts Schnittchen beim Leichenschmaus. Apropos Schnittchen. Früher als ich noch funky fresh war und mein Homie Kupido mit einem Köcher voller Pfeile (5) auf meinem Beifahrersitz saß und eine Salve nach der anderen auf die holde Weiblichkeit abfeuerte mit der ich mich vergnügte. Ach ja… Zu dieser Zeit des Jahres fällt mein Blick dann meistens auf das nahgelegene Sonnenblumenfeld (6) und ich gerate ins schwelgen und schwafeln da jetzt auch noch ein Grundschüler auf der Bank neben mir platz genommen hat der auf dem Schulheimweg wohl eine kleine Pause einlegen wollte. Damals in der guten alten Zeit prahle ich, da war ich weltoffen, habe alle Kontinente dieser Welt (7) bereist und dem Establishment gezeigt wo Bartel den Most holt. Warum hast Du denn keine Schuhe an ? Hast Du die bei Deinen Reisen um die Welt durchgelaufen und verloren fragt er mich grinsend und ich stelle wieder einmal fest das es mit meinem Gedächtnis wohl auch nicht mehr zum besten steht.
Barfuß (8) kann ich das Leben besser fühlen sage ich und schaue erhaben zum Blumenfeld herüber, denke dabei aber hektisch darüber nach ob ich überhaupt meine Tena-Windel angezogen habe.
Der Kleine sieht mich mitleidig an und bietet mir ein Dextro Energen an. Nein Danke sage ich und mache mich mit der Behäbigkeit einer Schildkröte (9) von dannen.
Alt werden ist kacke…
Geschichtenpremiere von Commissioner Smart
Schreibdauer 12 Min.
schreiben ist nicht meine stärke, aber es hat mich gereizt, es einmal zu versuchen!
es war ein anstrengender tag mit vielen regenschauern. nicht nur die augen wurden bedingt durch den trüben tag überstrapaziert, nein, auch die knochen und muskeln taten weh und auch so ging ich am krückstock- die vergangenen jahre sind nicht spurlos an mir vorrüber gegangen.
endlich! endlich hatte ich zeit mich in einem neu gekauften buch zu vertiefen. schnell stelle ich fest, daß der autor mich mal wieder in seinen bann gezogen hat. auch diesmal ging es um leben und tod, gut und böse- zwei welten, die von einander nichts wissen...nun geschah es: versunken in die geschichte um niko habe ich meine fußschmerzen vergessen und kann seit langem friedlich einschlafen.
bianca
Es ist ja so eine Sache. Mit allem. Blumige(6) Metaphern schwirren durch mich und mein Leben und alles, was dort so dran hängt. Welt (7) ist eben nicht immer leicht. Leben noch viel weniger. Dennoch mache ich mich auf, erkunde Tag für Tag mit Krückstock (3) Optimismus die unendlichen Engen der Zivilisation, welche sich in all den Jahren um mich herum hochgewuchert hat und frage mich, was denn da noch so kommen mag. Sehenden Auges (2) stolpere ich dem Schicksal entgegen, und das gefällt mir, das ist gut, das ist offensichtlich und vertraut, und Vertrautes ist wichtig wenn um dich herum ständig Neues hervorsprudelt (1) und dich nicht nur davon abhält, zu Rast zu kommen, sondern auch davon, in Bewegung zu bleiben. Fuß um Fuß (8) in die Stapfen all derer die da vor mir gehen den ewig gleichen Weg zur Zukunft entlang. Wenn die Geschichte all dessen was du tust und getan hast so kurz wird wie der Titel auf dem Buchrücken (4) in den Regalen in deinem viel zu großen Wohnzimmer dass du dir all die Jahre tapfer und blind und viel zu beschäftigt mit Raubbau an dir erarbeitet hast, da wünschst du dir, da wünsche ich mir, nicht so pfeilschnell (5) dem Ende entgegenzugleiten, entgegengeglitten zu sein.
Ich will die Gegend sehen unterwegs. Nicht nur die verwaschenen Halbbilder einer Taxifahrt wenn du trunken an der Seitenscheibe auf die Stadt blinzelst. Ganz unbewusst und unklar.
Ganz bewusst und klar will ich da Schildkröte (9) sein.
Am letzten Tag meines Lebens sprudelten(1) die Ideen wie blöde. Makellose Formeln rasten in einem Wimpernschlag(2) an mir vorbei und ich wusste: dies war der Durchbruch! Wochenlang hatte ich das Problem durchdacht, die Aufzeichnungen(4) durchgesehen, über den Zahlen gebrütet, bis ich Kopfschmerzen bekam. Und jetzt, hier auf dieser miesen Schotterpiste, erschien die Lösung praktisch wie vom Hirn auf die Windschutzscheibe projiziert, während ich über Stock(3) und Stein bretterte, immer schneller, damit ich nicht die Hälfte vergaß, bis ich endlich im Büro angekommen war. Ich raste wie ein Pfeil(5) über die ungesicherte Strecke, aber wenn einem der Beweis für ein jahrelang gewälztes Problem plötzlich über die Windschutzscheibe flimmert, fühlen sich auch 180 Stundenkilometer nur an wie ein Schildkrötensprint(9).
Dies war echt. Es war rein. Es gab keinerlei Widersprüche oder Ungereimtheiten. Alle Welt(7) würde binnen kurzem von nichts anderem mehr sprechen. Ich war im Begriff in Einsteins Fußstapfen(8) zu treten, und unser aller Bild vom Universum unabänderlich zu prägen. Es würde wie damals bei ihm und der Relativitätstheorie sein, als selbst Bauarbeiter und Klempner begannen, über Raumzeit und Gleichzeitigkeit zu sprechen.
Was mir jedoch durch den zersplitterten Schädel ging, als ich durch die Windschutzscheibe flog und mein Blut in dicken schwerelosen Tropfen wie rote Blütenblätter(6) im Wind umherflog, war einfach nur Dein Gesicht. Ich würde Dich vermissen.
Die Ideen sprudelten(1) mir nur so aus der Feder, als ich diese Würfel sah(2).
Doch bei dem Anblick des 3. Würfels geriet ich ins stocken und googlete flux diesen blöden Krückstock(3), wie ein offenes Buch(4) offenbarte sich mir Google und ich begriff schnell was es mit diesem Knüppel auf sich hatte. Während ich das Gefühl der Zufriedenheit genoss, traf mich wie aus heiterem Himmel der Pfeil(5) der Kreativität. Inspirationen schossen aus meinem Unterbewusstsein wie Blumen(6) aus der Erde(7) im Frühling...schwelg.
In Gedanken schritt ich über diese bunte Wiese....achtsam...ohne diese zarten Geschöpfe zu zertreten(8).
Vorsichtig, behäbig war mein Gang, gleich dem einer Schildkröte(9) als meine Inspirationen so schnell verschwanden wie sie gekommen waren.
ein sehr schöner letzter Satz! Das neue Storyspiel geht in Kürze online! Hoffe ihr seid wieder dabei...
Am letzten Tag meines Lebens kann ich nur noch in Phrasen reden:
Piss mich nicht an.
Augen auf im Straßen- und beim Geschlechtsverkehr.
Ich geh am Stock.
Ich kann Dich lesen wie ein Buch.
Mich traf es mitten ins Herz.
Schenk Blumen, friss Tiere.
Was kostet die Welt?
Nimm Deinen Fuss aus meinem Gesicht.
Ich lieg auf dem Rücken wie eine Schildkröte.
Frau WarrWirr
Rich Schwab:
Indianer weinen nicht
Es läuft mal wieder überhaupt nicht (9). Obwohl mir die Füße (8) wahrhaftig schon weh genug tun – Sabine hat mal wieder in letzter Minute abgesagt (ich schätze, viermal in einem Monat menstruieren ist so was wie ein Weltrekord (7)), und ich stehe mittlerweile seit elf Stunden hinter der Theke. Und dann sackt der Druck schon wieder ab – irgendwas ist mit der neuen Kohlensäureflasche absolut nicht in Ordnung. Das Bier tröpfelt nur noch aus dem Zapfhahn – ein amtliches Glas mit Blume (6) zapfen ist quasi unmöglich. Und das ausgerechnet heute, wo die Jungs vom Indianerclub ihr Treffen haben. Und die legen Wert auf ein anständiges Bier – Adlerauge trinkt mit, ha ha (2). Zum Glück sind sie heute in Zivil unterwegs – keine Tomahawks, kein Pfeil (5) und Bogen. Aber langsam werden sie sauer. Kein Wunder – erst länger als vier Minuten auf sein Bier warten müssen, und dann sieht’s auch noch aus, als hätte die Frühschicht es auf dem Tresen vergessen. Das würde auch ich als Zumutung empfinden.
„Mann, das gibt aber einen Eintrag in Manitous Schwarzem Buch (4), Büb!“, schreit Hannes. Entschuldigung: Häuptling Bocksprung. Seit sechs Wochen hat er nämlich den rechten Fuß in Gips und geht mit krummem Rücken am Stock (3). Na ja, wenn ich Sachbearbeiter bei einer Kfz-Versicherung wäre, würde ich auch krankfeiern, so oft es ginge. Aber das Problem habe ich ja nicht – wenn du deine Schicht um zehn Uhr morgens mit einem Kabänes anfängst und spätestens jede volle Stunde einen hinterher kippst, kannst du ja gar nicht krank werden. Da sind so viele Kräuter drin, das ist der reinste Jungbrunnen (1).
Also genehmige ich mir noch einen; die Stunde ist zwar noch nicht rum, aber ein tröpfelnder Zapfhahn ist schließlich eine Ausnahmesituation.
„Reg dich ab“, rufe ich zu Hannes rüber und zitiere die Bläck Föss (8): „Denk dran: Indianer kriesche nit.“
Rich Schwab - editierte Fassung!
Indianer weinen wohl
Es läuft mal wieder überhaupt nicht (9). Obwohl mir die Füße (8) wahrhaftig schon weh genug tun – Sabine hat mal wieder in letzter Minute abgesagt (ich schätze, viermal in einem Monat menstruieren ist so was wie ein Weltrekord (7)), und ich stehe mittlerweile seit elf Stunden hinter der Theke. Und dann sackt der Druck schon wieder ab – irgendwas ist mit der neuen Kohlensäureflasche absolut nicht in Ordnung. Das Bier tröpfelt nur noch aus dem Zapfhahn – ein amtliches Glas mit Blume (6) zapfen ist quasi unmöglich. Und das ausgerechnet heute, wo die Jungs vom Indianerclub ihr Treffen haben. Und die legen Wert auf ein anständiges Bier – Adlerauge trinkt mit, ha ha (2). Zum Glück sind sie heute in Zivil unterwegs – keine Tomahawks, kein Pfeil (5) und Bogen. Aber langsam werden sie sauer. Kein Wunder – erst länger als vier Minuten auf sein Bier warten müssen, und dann sieht’s auch noch aus, als hätte die Frühschicht es auf dem Tresen vergessen. Das würde auch ich als Zumutung empfinden.
„Mann, das gibt aber einen Eintrag in Manitous Schwarzem Buch (4), Büb!“, schreit Hannes. Entschuldigung: Häuptling Bocksprung. Seit sechs Wochen hat er nämlich den rechten Fuß in Gips und geht mit krummem Rücken am Stock (3). Na ja, wenn ich Sachbearbeiter bei einer Kfz-Versicherung wäre, würde ich auch krankfeiern, so oft es ginge. Aber das Problem habe ich ja nicht – wenn du deine Schicht um zehn Uhr morgens mit einem Kabänes anfängst und spätestens jede volle Stunde einen hinterher kippst, kannst du ja gar nicht krank werden. Da sind so viele Kräuter drin, das ist der reinste Jungbrunnen (1).
Also genehmige ich mir noch einen; die Stunde ist zwar noch nicht rum, aber ein tröpfelnder Zapfhahn ist schließlich eine Ausnahmesituation.
„Reg dich ab“, rufe ich zu Hannes rüber und zitiere die Bläck Föss (8): „Denk dran: Indianer kriesche nit.“
Dann kommt Marita rein, guckt (2) nicht, wo sie hin läuft, weil sie schon von der Tür aus Annette zuwinken muss, und tritt Hannes voll auf den ausgestreckten Gipsfuß (8).
Die Bläck Fööss haben keine Ahnung.
Rich Schwab - editierte Fassung!
Indianer weinen wohl
Es läuft mal wieder überhaupt nicht (9). Obwohl mir die Füße (8) wahrhaftig schon weh genug tun – Sabine hat mal wieder in letzter Minute abgesagt (ich schätze, viermal in einem Monat menstruieren ist so was wie ein Weltrekord (7)), und ich stehe mittlerweile seit elf Stunden hinter der Theke. Und dann sackt der Druck schon wieder ab – irgendwas ist mit der neuen Kohlensäureflasche absolut nicht in Ordnung. Das Bier tröpfelt nur noch aus dem Zapfhahn – ein amtliches Glas mit Blume (6) zapfen ist quasi unmöglich. Und das ausgerechnet heute, wo die Jungs vom Indianerclub ihr Treffen haben. Und die legen Wert auf ein anständiges Bier – Adlerauge trinkt mit, ha ha (2). Zum Glück sind sie heute in Zivil unterwegs – keine Tomahawks, kein Pfeil (5) und Bogen. Aber langsam werden sie sauer. Kein Wunder – erst länger als vier Minuten auf sein Bier warten müssen, und dann sieht’s auch noch aus, als hätte die Frühschicht es auf dem Tresen vergessen. Das würde auch ich als Zumutung empfinden.
„Mann, das gibt aber einen Eintrag in Manitous Schwarzem Buch (4), Büb!“, schreit Hannes. Entschuldigung: Häuptling Bocksprung. Seit sechs Wochen hat er nämlich den rechten Fuß in Gips und geht mit krummem Rücken am Stock (3). Na ja, wenn ich Sachbearbeiter bei einer Kfz-Versicherung wäre, würde ich auch krankfeiern, so oft es ginge. Aber das Problem habe ich ja nicht – wenn du deine Schicht um zehn Uhr morgens mit einem Kabänes anfängst und spätestens jede volle Stunde einen hinterher kippst, kannst du ja gar nicht krank werden. Da sind so viele Kräuter drin, das ist der reinste Jungbrunnen (1).
Also genehmige ich mir noch einen; die Stunde ist zwar noch nicht rum, aber ein tröpfelnder Zapfhahn ist schließlich eine Ausnahmesituation.
„Reg dich ab“, rufe ich zu Hannes rüber und zitiere die Bläck Föss (8): „Denk dran: Indianer kriesche nit.“
Dann kommt Marita rein, guckt (2) nicht, wo sie hin läuft, weil sie schon von der Tür aus Annette zuwinken muss, und tritt Hannes voll auf den ausgestreckten Gipsfuß (8).
Die Bläck Fööss haben keine Ahnung.
Rich Schwab - Edit!
Indianer weinen wohl
Es läuft mal wieder überhaupt nicht (9). Obwohl mir die Füße (8) wahrhaftig schon weh genug tun – Sabine hat mal wieder in letzter Minute abgesagt (ich schätze, viermal in einem Monat menstruieren ist so was wie ein Weltrekord (7)), und ich stehe mittlerweile seit elf Stunden hinter der Theke. Und dann sackt der Druck schon wieder ab – irgendwas ist mit der neuen Kohlensäureflasche absolut nicht in Ordnung. Das Bier tröpfelt nur noch aus dem Zapfhahn – ein amtliches Glas mit Blume (6) zapfen ist quasi unmöglich. Und das ausgerechnet heute, wo die Jungs vom Indianerclub ihr Treffen haben. Und die legen Wert auf ein anständiges Bier – Adlerauge trinkt mit, ha ha (2). Zum Glück sind sie heute in Zivil unterwegs – keine Tomahawks, kein Pfeil (5) und Bogen. Aber langsam werden sie sauer. Kein Wunder – erst länger als vier Minuten auf sein Bier warten müssen, und dann sieht’s auch noch aus, als hätte die Frühschicht es auf dem Tresen vergessen. Das würde auch ich als Zumutung empfinden.
„Mann, das gibt aber einen Eintrag in Manitous Schwarzem Buch (4), Büb!“, schreit Hannes. Entschuldigung: Häuptling Bocksprung. Seit sechs Wochen hat er nämlich den rechten Fuß in Gips und geht mit krummem Rücken am Stock (3). Na ja, wenn ich Sachbearbeiter bei einer Kfz-Versicherung wäre, würde ich auch krankfeiern, so oft es ginge. Aber das Problem habe ich ja nicht – wenn du deine Schicht um zehn Uhr morgens mit einem Kabänes anfängst und spätestens jede volle Stunde einen hinterher kippst, kannst du ja gar nicht krank werden. Da sind so viele Kräuter drin, das ist der reinste Jungbrunnen (1).
Also genehmige ich mir noch einen; die Stunde ist zwar noch nicht rum, aber ein tröpfelnder Zapfhahn ist schließlich eine Ausnahmesituation.
„Reg dich ab“, rufe ich zu Hannes rüber und zitiere die Bläck Föss (8): „Denk dran: Indianer kriesche nit.“
Dann kommt Marita rein, guckt (2) nicht, wo sie hin läuft, weil sie schon von der Tür aus Annette zuwinken muss, und tritt Hannes voll auf den ausgestreckten Gipsfuß (8).
Die Bläck Fööss haben keine Ahnung.
Ihre Gedanken wabern wie schwarzer Rauch aus dem Backofen in der Küche unbemerkt an der Schädeldecke entlang. Die letzen zwei Blätter an den sichtbaren Ästen der Esche vor ihrem Fenster zucken, wann immer eine kleine Frostwindzunge an ihnen leckt. Es ist kalt auf der Straße. Die Hauseingänge atmen frierende, mit Einkaufstüten beladene Frauen in Seidenstrümpfen ein und spucken wollige Kleiderkaufen in Kindergröße wieder aus.
Schon seit Wochen meldet sich die Erzählerstimme in ihrem Kopf wieder zu Wort. Wenn die Erzählerstimme da ist, verlaufen die Gedanken nicht wie gewohnt. Es sind nicht ihre Gedanken, es sind die Gedanken eines ihr fremden Erzählers, die von der Erzählerstimme vorgetragen werden. Die Erzählerstimme spricht mit einer dunkeln Frauenstimme.
Es war Dienstag, sagt sie. Und der Dienstag als solcher tat, was er immer tat. Er schleppte sich im Schildkrötentempo (9) dahin. Im Vergleich zu der grauen Montagsmuffeligkeit, die immer mit dem leisen Prasseln des Regens auf dem Dachfenster verbunden ist, auch wenn draußen die Sonne scheint wie eine 1000 Watt Glühbirne (und zwar eine richtige. Nicht eine von diesen Biosparlampen, die man nach dem ersten Einschalten immer rausschraubt und dran rüttelt in der vagen Vermutung ein Klimpern zu hören, weil es überhaupt gar kein bisschen heller wird wenn man sie einschaltet und sie deshalb nur kaputt sein kann, es aber nicht ist, sondern erst nach 2 ½ Stunden zu leuchten anfängt….)
Im Vergleich zur grauen Montagsmuffeligkeit, die immer mit dem leisen Prasseln des Regens auf dem Dachfenster verbunden ist, auch wenn draußen die Sonne scheint und man gar kein Dachfenster hat, fühlt sich die Dienstaglethargie an wie ein grauer kratziger Wollmantel. Man schafft es leichter vor die Tür als an einem Montag, aber nicht ohne Gehstock (3). Man kriecht gemeinsam mit dem Tag auf den Mittwoch zu. Mittwochs ist Halbzeit. Die Woche holt noch mal tief Luft und lässt uns verschnaufen. Donnerstags nehmen wir endlich eine gerade Haltung ein, schmeißen den Gehstock in die Rabatten (6) und schreiten galant dem Freitag entgegen. Am Freitag Morgen reißen wir ein letztes mal für diese Woche die Augen (2) zu einer unmenschlichen frühen Stunde auf , tänzeln zur Arbeit, wo eh nur noch Reste auf dem Schreibtisch liegen, die bis Mittag verwerten sein wollen und machen Mittagspause bis zum Feierabend. Samstag und Sonntag rasen pfeilschnell (5) an uns vorbei. Woche zu Ende. Klappe zu Affe tot, sagt sie.
Klappe zu Affe tot.
Klappe zu Affe tot.
Klappe zu Affe tot.
Dachte sie, denkt sie.
Sie greift in ihre Handtasche und überprüft die Anzahl der entnommenen Dominal forte Tabletten.
Sie hat sie heute Morgen wie von ihrem Psychiater angeordnet noch vor dem Frühstück eingenommen, dachte sie, denkt sie.
Die Überprüfung verschafft nur wenig Beruhigung. Nicht genug um Beunruhigung, die die Anwesenheit der Erzählerstimme auslöst auszugleichen. Wenn die Depression ihre schwarzen Fußstapfen (8) quer durch ihren Kopf setzt enden ihre Spuren als dunkle Flecken auf einem runden Teppich. Auf diesem Teppich steht ein alter, grüner Ohrensessel. Daneben eine Stehlampe mit verblichenem Schirm. Die Klischeehaftigkeit dieser Kulisse wird durch das kleine blonde Mädchen, das in dem Sessel sitzt, ein übergroßes Buch (4) auf dem Schoß, ironisch ins Lächerliche gezogen. Die Kleine trägt eine Nickelbrille, die ihr viel zu groß ist und ihr jeden Moment von der Nasenspitze zu rutschen droht. Sie nennt sie Sally. Sally spricht mit der tiefen Stimme einer alten Frau. Sally liest aus einem Schauermärchenbuch vor.
Sie mochte Sally nicht und ganz besonders mochte sie die Geschichten nicht, die Sally vorlas, dachte sie, denkt sie.
Draußen vor dem Fenster hat die Welt (7) sich weiter gedreht. Es ist dunkel geworden...
... In einer überstürzten Bewegung die jeglichem Anlass entbehrt greift sie nach ihrer Zigarettenschachtel und hastet zur Terrassentür heraus. Das feuchte Graß drängt ihr zwischen die nackten Zehen und bleibt an den Sohlen haften.
Wenn im Winter der Atem wie Qualmwölkchen aus den Mündern fließt, sehen alle Menschen aus wie Kettenraucher, die zum Rauchen vor die Tür geschickt wurden. Mit dem Blick vor die Füße gerichtet laufen sie los und stehen plötzlich auf Bahnsteigen und in den Hinterhöfen der Supermärkte.
So zumindest kam es ihr immer vor, dachte sie, erzählt Sally.
Langsam, die vergessene Zigarette zwischen den kalten Fingern, geht sie auf den kleinen Springbrunnen in ihrem Garten zu. Der kalte Stein fühlt sich ungastfreundlich an als sie sich auf den Rand setzt.
Ich muss sie zerkleinern, wenn sie in einen einzigen blauen Sack passen soll, dachte sie, sagt Sally. Mit den zittrigen Händen einer alten Frau streicht sie über die blonden Haare des kleinen Mädchens, das da so ruhig im Springbrunnen liegt als wäre es beim Spielen einfach eingeschlafen.
Wann endlich erwische ich die Richtige, fragte sie sich, erzählt Sally.
(Gibt es tatsächlich eine maximale Anzahl von Zeichen für die Stories? Wenn ja, hab ich mich wohl disqualifiziert :P )
disqualifiziert?! Ganz im Gegenteil - ich fühle mich schon wieder sehr beschenkt durch die ganzen Geschichten.
Das mit der Maximallänge war mir gar nicht klar, aber mit Teilen, wie Du es gemacht hast, geht es ja.
Vielen Dank!
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