Ich möchte nicht, dass irgendjemand auf die Idee kommt, ich würde die Existenz von Parallelwelten leugnen.
Ich weiß so gut wie jeder andere, dass es Gegenden in Deutschland gibt, wo man sich als Deutscher nicht sicher fühlen kann, wo man befremdet feststellt, dass man mit der eigenen Sprache nicht weiter kommt und man im Gegenzug niemanden versteht.
Natürlich weiß ich, dass mancherorts Menschen, die eigentlich gesamtgesellschaftlich betrachtet eine Minderheit sind, derart gehäuft aufeinanderhocken, dass sie de facto das gesamte Leben mit ihren Ansichten und ihrer Mentalität bestimmen - auch für die, die eben nicht zu ihnen gehören.
Und diese Ansichten und diese Mentalität sind eben nur schwer bis gar nicht mit der freiheitlich-westlichen Lebensart zu vereinbaren. Da werden elementare Menschenrechte mit den Füßen getreten und Frauen auf die Hausfrau/Mutter-Rolle reduziert, als hätte es die Frauenbewegung nie gegeben. Da wird offen und aggressiv gegen das Grundgesetz Stellung bezogen und die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie angestrebt. Ich weiß auch, dass da Risse quer durch die Familien gehen, weil nicht wenige eben verblendete Jugendliche sind, die Fanatikern und Fundamentalisten hörig geworden sind. Die ratlosen Eltern haben sich oft in Apathie und Resignation zurück gezogen, genau wie immer öfter auch Teile der Behörden und des Staatsapparates. Bürgermeister, die kapitulieren, Polizisten, die bestimmte Gegenden gleich ganz meiden, Jugendämter, die die Betreuung der Jugendlichen tatenlos Vereinen mit klar fanatischer und extremistischer Ausrichtung überlassen.
Wir müssen alle dagegen halten.
Darum auch der ganz klare Apell an dieser Stelle: "Liebe Bürger Sachsens und Sachsen-Anhalts, wir haben hier Regeln. Die gelten auch für euch!"
Mir ist klar, dass es national befreite Zonen auch anderswo geben wird. Die Entwicklung zeichnet sich jedenfalls ab. Natürlich sind wir alle dazu aufgerufen, Stellung zu beziehen.
Deswegen ist es gerade als türkischstämmiger Deutscher gut und beruhigend zu wissen, dass alle demokratischen Deutschen an unserer Seite stehen und sich auf dieses wichtige Problem konzentrieren. Denn ich registriere, dass der Begriff "Parallelwelt" immer mehr öffentliche Diskussionen prägt. Auch wenn das nach meinem Dafürhalten recht spät kommt (Jeder mit wachem Verstand beklagt die Existenz dieser Parallelwelten spätestens seit den 90er Jahren), bin ich doch froh, dass jetzt endlich die gesellschaftliche Aufmerksamkeit sich auf ein Problem richtet, das ganz real und oft genug vor der eigenen Haustür auftaucht. Dortmund ist da ein unrühmliches Beispiel, auch wenn im vergangenen Herbst der rechten Aufmarsch-Strategie sehr ermutigende Gegenentwürfe in den Weg gelegt wurden.
So bin ich also erleichtert, dass die Menschen in diesem Land die wichtigen Probleme erkannt haben und nun klare Zeichen für die Anwesenheit von Einwanderern setzen, für das Grundgesetz und die Menschenrechte eintreten und also denjenigen Deutschen in unserer Mitte, die mit all diesen Werten nichts anfangen können, aktiv entgegen treten.
Oder wie war das jetzt mit den Parallelwelten gemeint?
Freitag, 29. Januar 2010
Samstag, 16. Januar 2010
Des Assischen mächtig - Auszug Juicybeats 2009
Ich gebe einen Crashkurs in Assisch und erläutere direkt einmal, warum es diese Sprache überhaupt gibt.
Freitag, 15. Januar 2010
Der Dichter wendet sich ans Volk - Juicybeats 2009
Ein Gedicht ans Ruhrgebiet und die Leute darin.
Donnerstag, 14. Januar 2010
Werkzeug für Autoren - Tabbles
Ordnung in die Textsammlungen zu bekommen mag nicht besonders kreativ klingen. Wenn ich im Informationsstau stecke, habe ich aber auch keinerlei kreativen Antrieb. Die Dokumente wollen verwaltet sein.
Neulich war ich kurz davor, eine Datei zu kopieren und in einen anderen Ordner zu verschieben, einfach, um mir zu merken, dass dieser Text Teil sowohl des einen Lesungsprogramms war, als auch des anderen. Das ist der Weg in den Wahnsinn. Wenn man so etwas eine Zeit lang macht, erwartet einen die Versionshölle: Welche Datei ist die richtige? Welche Änderung für das, was ich gerade vorhabe relevant? Ganz zu schweigen von: Wie zum Henker finde ich diese Drecksdatei, wenn ich sie benötige?
Im Ordner für meine Texte befinden sich rund 650 Dateien in zahllosen Unterordnern. Viele Texte dienen vielerlei Zwecken. Ein Text kann zum Beispiel für eine Lesung gedacht sein und als Kurzgeschichte konzipiert sein. Vielleicht ging der Text auch noch zusätzlich zu einer Redaktion. Außerdem gibt es immer wieder zahllose Rechercheergebnisse, die natürlich in Unterordnern namens Recherche abgelegt werden. Und zwar fein säuberlich pro Manuskript ein Rechercheordner. So hat es uns Windows beigebracht und so funktionieren Rechner nun mal seit Jahrzehnten. Alles immer schön ineinander und untereinander.
So, allerdings, funktioniert meine Birne nicht.
Mein Hirn pappt eher kleine Aufkleber auf Sachen. Eine Videokassette von einem Auftritt, beispielsweise, zeichnet mein Hirn mit folgenden Schildchen aus: Videofilm, Audioquelle, Internet, Marketing, Lesung, Training, Hörbeispiel und so weiter. Im Rechner müsste ich also, um dieses Denkmodell abzubilden, mindestens sieben Ordner anlegen und ein- und dieselbe Datei mehrfach ablegen, damit ich sie in all diesen Zusammenhängen wieder finde. Denn das ist es, was mein Hirn eigentlich macht: Es stellt Zusammenhänge her.
Leider kann ich nicht an den Idioten heran kommen, der bei Microsoft dafür verantwortlich ist, dass das Dateisystem seit den frühen 80er Jahren nicht mehr angerührt wurde. Das ist sein verdammtes Glück.
Statt dessen ging ich auf die Suche nach einem Programm, das mir dabei helfen konnte, dieses hierarchische Ordnersystem zu umgehen oder zu ignorieren.
Auftritt Tabbles. (www.tabbles.net)
Tabbles ist eine Software, die den Speicherort (also in welchem Ordner die Datei auf meinem Rechner tatsächlich liegt) vollkommen unverändert lässt, es mir aber trotzdem ermöglicht, Zusammenhänge her zu stellen - und zwar mit den "Tabbles".
Ein Tabble ist nicht etwa ein kleiner dickbäuchiger Zwerg, obwohl das Wort stark danach klingt, sondern eine Wortkombination aus Tag/Bubble (also Schildchenblase, was irgendwie nach Spongebob klingt, aber lassen wir das…).
Ein Tabble sieht so aus und lässt sich öffnen wie ein Ordner, auch wenn es keiner ist.



Wie nutzt man das nun?
Ich kreiere beispielsweise einen Tabble namens "Marketing". Wenn ich nun den Explorer öffne und mir alles, was nach Marketing aussieht schnappe und auf den Marketing-Tabble werfe, dann kann ich später diesen Tabble öffnen und habe auf einen Schlag alles versammelt, was ich für marketingrelevant halte, egal wo und wie weit verstreut es auf dem Rechner liegt.
Tabbles lassen sich auch kombinieren! Ich lege also noch einen Tabble an für "Lesung", schmeiße alles, was mit Lesung zu tun hat auf diesen Tabble und kann fürderhin beim Suchen beide Tabbles verknüpfen, was mir die Schnittmenge aus beiden Suchresultaten liefert.
So finde ich einen Videofilm einer Lesung, den ich für marketingrelevant hielt ruckzuck wieder, ohne die Datei zu kopieren und an -zig Stellen auf dem Rechner zu hinterlegen, damit ich beim Suchen ständig mit dem Kopf davor stoße.
Außerdem kann Tabbles eigenständig und automatisch Schildchen kleben (sprich: Zusammenhänge herstellen). Wenn ich beispielsweise einen ganzen Ordner in Tabbles importiere und verkünde: "Alles in diesem Ordner soll ausgezeichnet werden mit: Fiktional, Kurzgeschichte, Sci-Fi", dann wird jede neue Datei in diesem Ordner automatisch so ausgezeichnet.
Beispiel für eine Such nach allem, was Soloprogramm und Texte ist, aber nicht zu "Was Sache ist" gehört:

Tabbles ist ein Tierchen, das man eine Weile dressieren muss, aber wenn man diese Zeit investiert, vollführt es ganz entzückende Kunststückchen. Ich bin auf der Suche nach den OpenOffice-Quelldateien von Lesungstexten, die Teil des einen Programms und des anderen Programms waren? Ich suche alle fiktionalen Dateien, die nicht PDFs sind? Ich will wissen, wie viele Audiofiles ich für Marketing nutzen kann?
Die Kombinationen und Zusammenhänge sind endlos.
Das Projekt Tabbles hat gerade erst begonnen, war mir aber schon in diesem Zustand den Appel und das Ei für eine Home-Lizenz wert.
Neulich war ich kurz davor, eine Datei zu kopieren und in einen anderen Ordner zu verschieben, einfach, um mir zu merken, dass dieser Text Teil sowohl des einen Lesungsprogramms war, als auch des anderen. Das ist der Weg in den Wahnsinn. Wenn man so etwas eine Zeit lang macht, erwartet einen die Versionshölle: Welche Datei ist die richtige? Welche Änderung für das, was ich gerade vorhabe relevant? Ganz zu schweigen von: Wie zum Henker finde ich diese Drecksdatei, wenn ich sie benötige?
Im Ordner für meine Texte befinden sich rund 650 Dateien in zahllosen Unterordnern. Viele Texte dienen vielerlei Zwecken. Ein Text kann zum Beispiel für eine Lesung gedacht sein und als Kurzgeschichte konzipiert sein. Vielleicht ging der Text auch noch zusätzlich zu einer Redaktion. Außerdem gibt es immer wieder zahllose Rechercheergebnisse, die natürlich in Unterordnern namens Recherche abgelegt werden. Und zwar fein säuberlich pro Manuskript ein Rechercheordner. So hat es uns Windows beigebracht und so funktionieren Rechner nun mal seit Jahrzehnten. Alles immer schön ineinander und untereinander.
So, allerdings, funktioniert meine Birne nicht.
Mein Hirn pappt eher kleine Aufkleber auf Sachen. Eine Videokassette von einem Auftritt, beispielsweise, zeichnet mein Hirn mit folgenden Schildchen aus: Videofilm, Audioquelle, Internet, Marketing, Lesung, Training, Hörbeispiel und so weiter. Im Rechner müsste ich also, um dieses Denkmodell abzubilden, mindestens sieben Ordner anlegen und ein- und dieselbe Datei mehrfach ablegen, damit ich sie in all diesen Zusammenhängen wieder finde. Denn das ist es, was mein Hirn eigentlich macht: Es stellt Zusammenhänge her.
Leider kann ich nicht an den Idioten heran kommen, der bei Microsoft dafür verantwortlich ist, dass das Dateisystem seit den frühen 80er Jahren nicht mehr angerührt wurde. Das ist sein verdammtes Glück.
Statt dessen ging ich auf die Suche nach einem Programm, das mir dabei helfen konnte, dieses hierarchische Ordnersystem zu umgehen oder zu ignorieren.
Auftritt Tabbles. (www.tabbles.net)
Tabbles ist eine Software, die den Speicherort (also in welchem Ordner die Datei auf meinem Rechner tatsächlich liegt) vollkommen unverändert lässt, es mir aber trotzdem ermöglicht, Zusammenhänge her zu stellen - und zwar mit den "Tabbles".
Ein Tabble ist nicht etwa ein kleiner dickbäuchiger Zwerg, obwohl das Wort stark danach klingt, sondern eine Wortkombination aus Tag/Bubble (also Schildchenblase, was irgendwie nach Spongebob klingt, aber lassen wir das…).
Ein Tabble sieht so aus und lässt sich öffnen wie ein Ordner, auch wenn es keiner ist.



Wie nutzt man das nun?
Ich kreiere beispielsweise einen Tabble namens "Marketing". Wenn ich nun den Explorer öffne und mir alles, was nach Marketing aussieht schnappe und auf den Marketing-Tabble werfe, dann kann ich später diesen Tabble öffnen und habe auf einen Schlag alles versammelt, was ich für marketingrelevant halte, egal wo und wie weit verstreut es auf dem Rechner liegt.
Tabbles lassen sich auch kombinieren! Ich lege also noch einen Tabble an für "Lesung", schmeiße alles, was mit Lesung zu tun hat auf diesen Tabble und kann fürderhin beim Suchen beide Tabbles verknüpfen, was mir die Schnittmenge aus beiden Suchresultaten liefert.
So finde ich einen Videofilm einer Lesung, den ich für marketingrelevant hielt ruckzuck wieder, ohne die Datei zu kopieren und an -zig Stellen auf dem Rechner zu hinterlegen, damit ich beim Suchen ständig mit dem Kopf davor stoße.
Außerdem kann Tabbles eigenständig und automatisch Schildchen kleben (sprich: Zusammenhänge herstellen). Wenn ich beispielsweise einen ganzen Ordner in Tabbles importiere und verkünde: "Alles in diesem Ordner soll ausgezeichnet werden mit: Fiktional, Kurzgeschichte, Sci-Fi", dann wird jede neue Datei in diesem Ordner automatisch so ausgezeichnet.
Beispiel für eine Such nach allem, was Soloprogramm und Texte ist, aber nicht zu "Was Sache ist" gehört:

Tabbles ist ein Tierchen, das man eine Weile dressieren muss, aber wenn man diese Zeit investiert, vollführt es ganz entzückende Kunststückchen. Ich bin auf der Suche nach den OpenOffice-Quelldateien von Lesungstexten, die Teil des einen Programms und des anderen Programms waren? Ich suche alle fiktionalen Dateien, die nicht PDFs sind? Ich will wissen, wie viele Audiofiles ich für Marketing nutzen kann?
Die Kombinationen und Zusammenhänge sind endlos.
Das Projekt Tabbles hat gerade erst begonnen, war mir aber schon in diesem Zustand den Appel und das Ei für eine Home-Lizenz wert.
Montag, 11. Januar 2010
Deutscher Twitter Kurzgeschichtenpreis 2010
Alle Informationen zum von mir initiierten Twitter Kurzgeschichtenpreis findet ihr auf der entsprechenden Seite meiner Homepage
Als kürzerer Link auch erreichbar unter: dtkp.muratkayi.de
Dieser Weblogeintrag dient der Archivierung der Wettbewerbsbeiträge. Bitte kopiert einen Link zum Wettbewerbsbeitrag (also dem Tweet) sowie einen Link zu eurem Profil in einen Kommentar zu diesem Beitrag!
EDIT: Den Link zu einem Einzeltweet findet ihr, indem ihr auf die Veröffentlichungszeit unterhalb des Tweets klickt!
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Freitag, 8. Januar 2010
Song: Mit Dir im Winter
Eine winterliche Liebesgeschichte, die - wie alle zünftigen Liebesgeschichten - unglücklich endet.
Ich kann deinen Atem sehen.
Ich möchte dich die ganze Zeit berühren.
Mir egal, wohin wir gehen.
Du dürftest mich überall hinführen.
Dein Lächeln strahlt, es strahlt.
Mit dir im Winter.
Mit dir im Winter.
Schneeregen auf der Windschutzscheibe
Ich kann dich schon lange nicht mehr sehen.
Ob ich im Auto sitzen bleibe?
Oder soll ich dir schon wieder hinterher gehen?
Und es wird kalt, so kalt.
Mit dir im Winter.
Mit dir im Winter.
Ich möchte dich die ganze Zeit berühren.
Mir egal, wohin wir gehen.
Du dürftest mich überall hinführen.
Dein Lächeln strahlt, es strahlt.
Mit dir im Winter.
Mit dir im Winter.
Schneeregen auf der Windschutzscheibe
Ich kann dich schon lange nicht mehr sehen.
Ob ich im Auto sitzen bleibe?
Oder soll ich dir schon wieder hinterher gehen?
Und es wird kalt, so kalt.
Mit dir im Winter.
Mit dir im Winter.
Mittwoch, 6. Januar 2010
Späte Einsichten in Bezug auf "The Village"
Im Falle von M. Night Shyamalans "The Village" fühle ich mich verdummt. Und zwar von den Kritikern.
Über ein halbes Jahrzehnt musste nach seiner Veröffentlichung vergehen, bis ich den Film sah. Das hatte zwei Gründe:
Zum einen war ich von "Signs" und "Unbreakable" enttäuscht. Die Filme haben einfach nichts bei mir hinterlassen. Nach "The Sixth Sense" war ein ähnlicher Höhepunkt nicht mehr zu erwarten - das nehme ich niemandem übel, genau so wenig, wie ich Rage Against The Machine nie vorgeworfen habe, kein weiteres Mal den Nagel derart auf den Kopf getroffen zu haben wie mit ihrem ersten Album.
Aber die beiden Filme waren einfach langweilig.
Das, in Verbindung mit einem Heer von Kritikern, die ihre von langer Hand vorbereiteten Rezensionen um ein paar Fakten anreicherten und Verriss um Verriss publizierten hat mich ernsthaft davon abgehalten dieses herrliche Stück Kino zu erleben.
Wahrscheinlich bin ich einer der ganz wenigen, die den Film bis vor Kurzem noch nicht gesehen hatten - daher gibt es nun auch keine Guckempfehlung. Ich führe nur mal rasch ein paar Gründe für meine Begeisterung an:
Konsequentes Filmvokabular (Farben, Schnittempo, Klänge - vor allem die Klänge), intensive Bildsprache und eine wirklich berührende Liebesgeschichte zeugen von handwerklichem Können. Ich weiß nicht, wie man zu dem Schluss kommen kann, der Film sei schlecht gemacht. Es ist bestimmt ein schlechter Horrorfilm, in einem Sinne wie auch "Marnie" ein schlechter Horrorfilm wäre. Da gab es eine Menge irreführendes Marketing im Vorfeld.
Die Schauspieler spielen nicht etwa hölzern, wie es manchmal heißt, sondern sie spielen hölzerne Menschen, und das so eindringlich und schlicht, dass es einem die Sprache verschlägt. Im Gegenzug sind die jungen Menschen im Dorf, und hier besonders die beiden Hauptfiguren, quicklebendig ohne überdrehte Spaßrituale, die normalerweise und bei fantasieärmeren Regisseuren Lebendigkeit anzeigen sollen. Wer also eine Portion gutes Schauspiel genießen kann, sollte nicht unzufrieden aus dem Film heraus kommen.
Die überraschende Wendung. Wie viele der Kritiker sich darüber beschweren, dass es mal wieder eine überraschende Wendung hat nehmen müssen. Ich wende ein, dass ich auch einen Hitchcock in der Erwartung sehe, dass die Hauptfigur ohne ihr Zutun in einen Strudel von Verfolgung und Bedrängnis gerät. Ich gucke Polanski und bin auf kranke Charaktere eingestellt. Ich gucke Shyamalan und weiß, es wird noch eine krasse Wendung geben.
Diese Wendung passt wie die Faust aufs Auge zu allem, was vorher war. Fühlt man sich veräppelt und hinters Licht geführt? Natürlich! Diese oft vorgebrachte Kritik ist doch die beste Bestätigung für die Mechanik der Täuschung!
Schließlich ein Wort zu meiner Lieblingsszene:
Die blinde Ivy im dunklen Nachtwald in nacktem Schrecken unter ihrem Lederschirm singt und hält sich die Ohren zu, während die Kamera langsam nach oben zurückweicht und den Blick auf die kahlen Zweige und Äste freigibt und die Geräusche immer weiter in den Vordergrund rücken. Nichts Übernatürliches, nichts Bedrohliches von außen wirkt hier. Tatsächlich weiß Ivy ja schon längst, dass es im Wald nichts bedrohliches gibt. Aber die Geschichten, die man ihr erzählt hat, wirken nach. Man kann den Mythen seiner Kultur nie entkommen. Man muss schon aus Stein sein, um hier keine Gänsehaut zu bekommen. Ca. zehn Sekunden nackter Angst auf Film.
Über ein halbes Jahrzehnt musste nach seiner Veröffentlichung vergehen, bis ich den Film sah. Das hatte zwei Gründe:
Zum einen war ich von "Signs" und "Unbreakable" enttäuscht. Die Filme haben einfach nichts bei mir hinterlassen. Nach "The Sixth Sense" war ein ähnlicher Höhepunkt nicht mehr zu erwarten - das nehme ich niemandem übel, genau so wenig, wie ich Rage Against The Machine nie vorgeworfen habe, kein weiteres Mal den Nagel derart auf den Kopf getroffen zu haben wie mit ihrem ersten Album.
Aber die beiden Filme waren einfach langweilig.
Das, in Verbindung mit einem Heer von Kritikern, die ihre von langer Hand vorbereiteten Rezensionen um ein paar Fakten anreicherten und Verriss um Verriss publizierten hat mich ernsthaft davon abgehalten dieses herrliche Stück Kino zu erleben.
Wahrscheinlich bin ich einer der ganz wenigen, die den Film bis vor Kurzem noch nicht gesehen hatten - daher gibt es nun auch keine Guckempfehlung. Ich führe nur mal rasch ein paar Gründe für meine Begeisterung an:
Konsequentes Filmvokabular (Farben, Schnittempo, Klänge - vor allem die Klänge), intensive Bildsprache und eine wirklich berührende Liebesgeschichte zeugen von handwerklichem Können. Ich weiß nicht, wie man zu dem Schluss kommen kann, der Film sei schlecht gemacht. Es ist bestimmt ein schlechter Horrorfilm, in einem Sinne wie auch "Marnie" ein schlechter Horrorfilm wäre. Da gab es eine Menge irreführendes Marketing im Vorfeld.
Die Schauspieler spielen nicht etwa hölzern, wie es manchmal heißt, sondern sie spielen hölzerne Menschen, und das so eindringlich und schlicht, dass es einem die Sprache verschlägt. Im Gegenzug sind die jungen Menschen im Dorf, und hier besonders die beiden Hauptfiguren, quicklebendig ohne überdrehte Spaßrituale, die normalerweise und bei fantasieärmeren Regisseuren Lebendigkeit anzeigen sollen. Wer also eine Portion gutes Schauspiel genießen kann, sollte nicht unzufrieden aus dem Film heraus kommen.
Die überraschende Wendung. Wie viele der Kritiker sich darüber beschweren, dass es mal wieder eine überraschende Wendung hat nehmen müssen. Ich wende ein, dass ich auch einen Hitchcock in der Erwartung sehe, dass die Hauptfigur ohne ihr Zutun in einen Strudel von Verfolgung und Bedrängnis gerät. Ich gucke Polanski und bin auf kranke Charaktere eingestellt. Ich gucke Shyamalan und weiß, es wird noch eine krasse Wendung geben.
Diese Wendung passt wie die Faust aufs Auge zu allem, was vorher war. Fühlt man sich veräppelt und hinters Licht geführt? Natürlich! Diese oft vorgebrachte Kritik ist doch die beste Bestätigung für die Mechanik der Täuschung!
Schließlich ein Wort zu meiner Lieblingsszene:
Die blinde Ivy im dunklen Nachtwald in nacktem Schrecken unter ihrem Lederschirm singt und hält sich die Ohren zu, während die Kamera langsam nach oben zurückweicht und den Blick auf die kahlen Zweige und Äste freigibt und die Geräusche immer weiter in den Vordergrund rücken. Nichts Übernatürliches, nichts Bedrohliches von außen wirkt hier. Tatsächlich weiß Ivy ja schon längst, dass es im Wald nichts bedrohliches gibt. Aber die Geschichten, die man ihr erzählt hat, wirken nach. Man kann den Mythen seiner Kultur nie entkommen. Man muss schon aus Stein sein, um hier keine Gänsehaut zu bekommen. Ca. zehn Sekunden nackter Angst auf Film.
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