Sonntag, 25. April 2010

Der siebente Tag KW 16

Die Woche begann mit einem Highlight: dem Dortmunder Künstlertreffen im Wichernhaus.

Wir waren zwölf Personen, darunter Musiker, Schriftsteller, Bühnenkünstler (Kabarettisten, Sänger), Webcomic-Erfinder und Veranstalter. Zwei Stunden lang qualmten die Köpfe, und ich muss sagen, es war genau so ergiebig wie ich gehofft hatte. Wir treffen uns im Mai wieder, um über unsere Presseinfos zu sprechen, Vertrieb und Publicity-Stunts ins Auge zu fassen sowie Einzelprojekte und Förderungen ins rechte Licht zu rücken.

Am Dienstag trat das Daddy Weyland Trio im Bam Boomerang auf. Obwohl der Sound glasklar war (Danke Peter!) und die Bühne sowie der Raum sehr hübsch, muss ich sagen, dass wir es auf jeden Fall vermeiden sollten jemals wieder während eines Champion-League Spiels aufzutreten. Das erinnert mich an einen Auftritt, den ich 1996 während des Europameisterschaftsfinales (!) mit Deutscher Teilnahme (!!) machte. Wir haben echt gerockt, aber es hat niemand mitbekommen...


Am Mittwoch brach die Familie ohne mich zur Kur auf, so dass ich momentan sturmfreie Bude habe. Hauptunterschied ist bis jetzt, dass ich durchschlafen kann - das erste Mal seit ca. einem Jahr. Mit meinem Immunsystem geht es folglich rasant bergauf.

Am Freitag jedoch musste ich fest stellen, dass das Navigationsgerät von der Liebsten in ein schwer aufzuspürendes Versteck verbracht wurde, so dass ich mir eine Google-Wegbeschreibung zum Auftrittsort in Solingen ausdrucken musste. Diese hatte mit meinem Zielort jedoch nichts am Hut. Ich verspätete mich um dreißig Minuten, machte einen sehczig Sekunden Soundcheck, warf mir Bühnenkleidung über und konnte pünktlich eine sehr schöne Show vor einem Solinger Publikum beginnen, dass mir in Nullkommanix ans Herz wuchs. Aufmerksam, aktiv und begeisterungsfähig. Es ist eine traurige Wahrheit (und in gewisser Weise auch ein Geheimnis), dass Künstler immer nur so gut sind wie ihr Publikum. Das Solinger Publikum macht es einem leicht, gut zu sein.

Gleiches ließe sich im Übrigen über das Publikum im Subrosa sagen, welches am Samstag den ersten Auftritt der Daddy Weyland Band zu sehen und vor allem zu hören bekam. Bass, Gitarre, Schlagzeug, Keyboard und Sänger auf die Bühne der Hafenschaenke zu bringen, war eine Herausforderung, aber ich möchte sagen, dass wir uns zumindest näher gekommen sind - vor allem musikalisch. So gut hatten wir bis dato die Songs noch nicht gespielt, der Sound war Knaller und die Leute bis zum Schluss mit voller Aufmerksamkeit dabei.

Nun ist erst einmal zwei Wochen Ruhe mit Auftritten, was ganz gut ist, denn so habe ich Zeit, den nächsten Vertriebs- und Marketingpusch einzustielen. Außerdem gehe ich kommende Woche Schwitzen und auf Visionssuche, doch davon mehr, wenn ich hiervon zurück gekehrt bin. Den Wochenrückblick gibt es dann ein wenig später...

Samstag, 17. April 2010

Der Siebente Tag - KW 15

Diese Woche hat mich irgendwie geplättet. Ich bin erkältet und lahme.

Nach dem wirklich wunderbaren Wandertag letzten Samstag mit einem alten Freund fing der Fuß an zu schmerzen (etwa einen Tag später) - keine Ahnung wieso. Ich musste jedenfalls ständig an verschiedenste Filmszenen denken, in denen Pferde von ihren Besitzern erschossen werden, weil sie lahmen. Ich habe mich in diesen Tagen oft gefragt, ob das eigentlich so eine Szene ist, die Autoren schon seit Jahrzehnten voneinander abschreiben oder ob das wirklich die adequate Vorgehensweise ist, bzw. war? Ich meine, muss man das Tier direkt abknallen, nur weil es sich den Fuß geprellt hat? Das geht einem so durch den Kopf, wenn man selbst hinkt.

Inzwischen haben wir übrigens 11 Anmeldungen für das Künstlertreffen, auf das ich mich wie Hulle freue.

Bleibt noch anzumerken, dass auch wenn ich durch Erkältung und Fußzerrung mit angezogener Handbremse unterwegs bin, sich immer auch etwas in Richtung Auftritte tut: Zum Einen hat der erste Veranstalter sich so für "Migrantenpop" begeistern können, dass man uns engagiert hat. Die eigentliche Premiere ist für September angesetzt, aber es ist natürlich schön, wenn das Konzept so überzeugt, dass man schon Auftritte für danach vereinbaren kann.

Zum Andern hatte ich gestern einen sehr schönen Auftritt mit Hannes und Bubbles anlässlich der Releaseparty von Daddy Weylands neuer EP, auf der ich Steel Guitar beigesteuert habe.
Besonders verzaubert hat mich am gestrigen Abend neben dem schönen Auftrittsort in Iserlohn vor allem Dogsrunfree aus Bremen, die am Abend vor uns gespielt haben.
Die beiden sind nicht einfach nur zwei unglaublich sympathische Typen - das Konzert hat mich völlig umgehauen. Zwei Gitarren, tief melancholisch, dabei zu jeder Zeit einwandfreier Groove und immer wieder spannende musikalische Ideen. Das kann heißen; ein Metall-o-phon(?), eine kleine Kastenorgel oder schlicht schöne Harmonien, die so lange geprügelt werden, dass man irgendwann aufhört, sich zu fragen, wie es weiter geht und sich einfach im Lauschen verliert.
Hiermit ergeht eine dringende Hingeh-Empfehlung! Guckt euch die beiden an!

Natürlich geht mir dabei auch durch den Kopf, dass ich selbst nicht so viele tolle Künstler und Musiker kennen lernte, wenn ich nicht ständig selbst auf der Bühne stünde und allein deswegen viel unterwegs bin. Soll heißen, ich säße mit dem Hintern wahrscheinlich viel zu oft auf der Couch daheim, geschlaucht vom Alltag und die Fernbedienung in der Hand. Ich möchte euch sagen: Ich kenne dieses Gefühl.
Aber wir alle kennen doch auch dieses Gefühl, wenn man sich aufgerafft hat, unterwegs war und auf einem kleinen Konzert Musik gehört hat, die einen nicht mehr los lässt, Geschichten gehört hat, die noch nach Wochen in einem nachklingen - und das alles meist von Künstlern, die man zuvor nicht kannte, die wenig oder gar nicht in den Medien auftauchen und die hauptsächlich durch Mund-zu-Mund-Propaganda Verbreitung finden.

Geht mal wieder da raus. Es lohnt sich.

Freitag, 16. April 2010

Murat Kayi im Interview

Beim Kulturmagazin Kulan bin ich momentan Covergirl! Und wer diesen Blogeintrag nach April 2010 liest, dem bleibt immer noch das Interview mit mir im Inhaltsteil des Magazins!

Montag, 12. April 2010

Dortmund - wo Menschenhandel noch Spaß macht.

Ich will nur mal auf die schnelle eine Meinung zum Thema Mindener Straße los werden, vor allem, da eine kurze Recherche zu diesem Stichwort vor allem Internetseiten von begeisterten Freiern nach oben spült.

Bis vor einiger Zeit war die Mindener Straße der Dortmunder Straßenstrich für die Verarmten ohne Perspektive (und ich meine nicht die Freier) und als solches in erster Linie ein lebendiges Zeugnis der Verelendung der Nordstadt sowie der sozialen Kälte in unserer Gesellschaft allgemein. Der Monat dauert noch, das Geld ist bereits alle, es bleibt der Verkauf des Körpers.

Nun gut. Ich will nicht so tun, als stünde es mir zu, den Beteiligten irgendwelche Weisheiten zu diesem Vorgang hinter die Ohren zu schreiben.

Inzwischen aber ist die Mindener Straße nichts anderes als die offen zur Schau gestellte Unterstützung aller Dortmunder für den internationalen Menschenhandel. Die Frauen, bzw. Mädchen, die da stehen, machen auf keinen, der nicht blind durchs Leben geht, den Eindruck von selbstbestimmten Bürgerinnen oder autonomen Huren.
Man kann der Polizei keinen Vorwurf machen - sie fährt da ja nicht mehr lang und weiß wahrscheinlich von nichts. Vielleicht sagt mal einer Bescheid?
Wie man von derwesten.de erfährt, ist man bei der Stadtverwaltung zudem der Auffassung, der ganze Tatbestand sei unglaublich schwer nachzuweisen. Damit ist bereits etwas so offensichtliches wie die Hurerei als solche gemeint. Mit welchen Menschen dort allerdings Prostitution in Dortmund zum Standortfaktor gemacht wird, ist doch wohl vor allem das Problem. Und das lässt sich ja noch viel schwerer ergründen. Eine Befragung der Betroffenen wäre wohl auch schwierig - wenn man gerade noch in Osteuropa zur Schule ging und sich plötzlich am Dortmunder Straßenstrich wiederfindet, ist es mit den Sprachkenntnissen auch nicht so weit her. Schade.

Die Freier, die mehrheitlich mit den Kennzeichen MK, EN, HSK und UN das Ganze am Leben erhalten, tragen natürlich ihren Teil der Verantwortung. Mir ist aber schlicht und einfach rätselhaft, warum wir alle der Auffassung sind, das müsse eben alles so sein, "importierte" Mädchen, Schlepperbanden, und so weiter und so fort?

Einen anderen Grund kann es nicht geben, denn was in unserer Stadt geschieht, obliegt ja nicht der Verantwortung irgendwelcher Ratsherren, der Polizei oder sonstigen Institutionen. Die spiegeln doch alle immer nur den wahrgenommenen Willen der Bevölkerung in dieser Stadt, immerhin der Souverän im Staat. Die Mindener Straße sieht so aus, wie sie aussieht, weil wir alle offensichtlich wollen, dass es das gibt. In genau dieser Form.

"Lässt sich nicht ändern"?
Dass ich nicht lache.
Wollen ist die Frage.
Alles andere findet sich.

P.S.: Wer natürlich entgegenwirken will, kann zum Beispiel hier ansetzen und beispielsweise spenden...

Freitag, 9. April 2010

Der siebente Tag - KW 14

Der Plan nimmt Formen an.
Wahrscheinlich ist es für die meisten Leser schwierig, sich vor zu stellen, wie man über Wochen hinweg jeden Schritt plant - das war es für mich auch bis vor ein paar Jahren. Inzwischen ist mir nicht ganz klar, wie man ohne einen solchen übergreifenden Plan überhaupt seine Ziele erreichen will.

Und tatsächlich schreite ich seit der Zeit, in der ich begann, Dinge zu planen mit einem ganz anderen Tempo voran, als vormals. Wem das zu unspontan vorkommt, dem sei gesagt, dass sich die Improvisation ganz von allein zu ihrem Recht verhilft. Ich habe noch keinen Plan bis zu 100% erfüllt. Aber ich weiß immerhin, zu wieviel Prozent ich tue, was ich mir vornehme, denn auch die Kontrolle gehört zu einem vollständigen Plan.

Ich erzähle deswegen so viel davon, weil mein Plan mich momentan die meiste Zeit über beschäftigt. Daneben war natürlich der Auftritt bei Fett und Kursiv, der Kölner Leseshow im Wohnzimmertheater, ein Glanzlicht in dieser Woche für mich, denn ich habe dort eine ganze Reiher wundervoller Künstler kennen gelernt, dich ich euch wärmstens ans Herz legen möchte. Näheres erfuhr, wer meinen Newsletter abonniert hatte. Die Anderen können hier nachlesen: Newsletter April 2010 auf muratkayi.de

Die Hinfahrt erwies sich per Bahn allerdings als Hürdenlauf. Ich muss dazu mal in Ruhe und mehr Zeit noch einmal etwas schreiben, aber von dem überheblichen "Berater" am Automaten, der der Meinung war ich müsse doch wirklich einfach wissen, wie ich ein Ticket mit Verkehrsverbund-Übergang, Bahncard 25 und VRR-Ticket+Zusatzticket selbst lösen könne (er half mir und "verkaufte" mir so prompt das falsche Ticket, wie ich erst hinterher vom Zugbegleiter erfuhr, der mich ermahnte, mir schleunigst ein anderes zu kaufen!), bis zur schieren Fahrtdauer war das ein grausiges Erlebnis.

Heute komme ich praktisch frisch vom Interview für eine Sondersendung von "Tief im Westen" auf Radio 91.2. Hannes und ich erklären uns und unsere Musik in gemeinsamen und Soloprojekten. Die Sendung läuft kommende Woche Donnerstag, ich mache zuvor noch einmal Meldung.

Für das Dortmunder Künstlertreffen ist der Raum gebucht, Internet und Beamer bestellt, Getränke werden heran gekarrt und Menschen melden sich an. Es wird ein toller Abend werden und ihr seht besser zu, dass ihr dabei seid!

Abschließend sei noch kurz erwähnt, dass ich diese Woche "walk the line" sah und nicht nur Bono recht geben muss, der meinte "Wir sind alle Weicheier im Vergleich zu Johnny Cash", sondern zum Einen in der Wahl von schwarz als Farbe meines Bühnenoberteils bestätigt wurde und dies künftig in ehrendem Gedenken an Johnny Cash noch viel öfter tun werde, zum anderen aber auch völlig begeistert von dieser wunderbar erzählten Love Story bin und mich frage, ob Reese Witherspoon sich so entzückend "gespielt" hat oder tatsächlich so bezaubernd ist. Wer sie kennt, darf es mir sagen, dann wär die Frage auch vom Tisch.

bis dann
Mu

Freitag, 2. April 2010

Der siebente Tag - KW 13

Die Woche stand natürlich unter dem Zeichen des Twitter Kurzgeschichtenpreises.

Fangen wir also mit den drei Gewinnerinnen an:

Hier ist der Platz 3 des Wettbewerbs:

http://twitter.com/xXErebXx/status/9114208645

Wortgewaltig und abgründig gerät man hier auf 140 Zeichen in einen finsteren Psychothriller hinein. Das ist uns eine Platzierung wert.


Hier ist der Platz 2 des Wettbewerbs:
http://twitter.com/punktuell/status/8627622191

Wenn man sehr viele Geschichten mit 140 Zeichen liest, von denen nicht wenige ihr gesamtes Zeichenkontingent ausschöpfen, ist diese Miniatur wie ein nasses Handtuch ins Gesicht. Tatsächlich wirkt diese Geschichte jeden Tag etwas anders auf mich - die Geste am Schluß wird zum Spiegel der eigenen Tagesform. Außerdem ist es natürlich schlicht genial, eine Geschichte aus zwei Sätzen zu beginnen mit…

Hier ist der Platz 1 und Gesamtsieger des Wettbewerbs:
http://twitter.com/_vel/status/8852828790

Auch hier gilt: Man kann schnell drüber weglesen, und wenn man einen herztoten Tag hat, perlt die Geschichte an einem ab. Eine sehr gute Kurzgeschichte braucht einen aktiven Mitleser. Wie mir Tobi Rauh heute noch erzählt hat, ist er generell der Auffassung, dass der Leser zum Miterzähler wird.
Diese Geschichte zeichnet auf engstem Raum präzise Figuren. Man wird die Geschwister nicht los - ich kann das inzwischen beurteilen, nach mehreren Wochen mit euren Geschichten. Unter der scheinbar unbeteiligten Oberfläche der Erzählung herrscht eine Eiseskälte, und man hat am Ende nicht das Gefühl, dass aufgeschlossen wird.
Ganz im Gegenteil: hier schließen sich Auswege.

Wir möchten uns bei allen bedanken, die mit Geschichten, Kommentaren und hilfreicher Kritik diesen Wettbewerb nicht nur zu einem großen Erfolg sondern auch zu einer sehr schönen Erfahrung für die Veranstalter gemacht haben.



Die Woche hatte außerdem mal wieder erfreulichen Auftragseingang, zu dem ich demnächst ein paar Worte verliere.

Für diesen öffentlichen Rückblick wichtiger ist die Tatsache, dass Zeit und Ort des Dortmunder Künstlertreffens fest stehen:

Künstlertreffen

Du lebst in Dortmund? Du bist als freischaffender Künstler oder Künstlerin tätig, hauptberuflich oder nebenberuflich? Du verdienst also Geld damit? Oder aber Du stehst kurz und sehr konkret vor dem Sprung in diesen Wahnwitz?

Dann ist das Dortmunder Künstlertreffen genau das Richtige für Dich!
Wenn Du Dich mit anderen aus der Branche treffen willst, wenn Du anderen neue Impulse geben möchtest, Gleichgesinnte oder eben Leute, die es ganz anders machen treffen willst, wenn Du Dich vielleicht auch einfach nur davon überzeugen willst "Ja, es gibt noch andere wie mich...", dann merk Dir:

Am 19. April 2010, um 18:00 Uhr im Wichernhaus




kannst Du all das tun!
Wir zählen auf Dich! Die Teilnahme ist kostenlos, aber Anmeldung erforderlich. Schick mir einfach eine E-Mail oder ruf mich an!
Diese Info gibt es auch hier.

Und auch auf der Seite von 51° Nord.


Das war's im Grunde zu dieser Woche. Im April steht eine Menge auf dem Terminkalender, so dass die Wochenrückblicke auch weiter prall gefüllt bleiben. Was genau ansteht, erfährt man natürlich am schnellsten, komfortabelsten und überhaupt am besten, wenn man sich für meinen Newsletter einträgt.