Mit den Notizen ist es ja so eine Sache…
Im Regal meines Büros stehen fein säuberlich aufgereiht die Gedanken der Jahre nebeneinander in kleinen handschriftlichen Bänden. Seit
Livescribe kann diese Handschrift zwar wesentlich mehr, als einfach nur gelesen zu werden, aber eines haben diese Bände gemeinsam: Sind die Bücher voll, bleiben sie im Regal.
Das heißt auch, dass ich auf diese Notizen nur bedingt Zugriff habe. Die Bedingung ist eben, dass ich da bin, wo die Notizen sind.
Das ist mit
Evernote anders. Ich will jetzt gar nicht den ganzen Dienst beschreiben, nicht zuletzt deswegen, weil ich das schon an anderer Stelle getan habe. Wer jenen anderen Artikel nicht lesen will und das wichtigste in Kürze braucht: Evernote legt alle Arten von Notizen online ab und stellt sie dem Nutzer überall zur Verfügung. Notizen können getippter Text, Dateien, Klänge, Bilder (nach Text durchsuchbar!) oder spezielle Freihand-Dateien, sogenannte "inks" sein.
Worum es heute geht ist, was genau aus Evernote wird, wenn der Dienst auch unterwegs genutzt wird.
Evernote mobile.
Mobil kann vieles heißen. Evernote hat neben dem Webclient, der also überall läuft, wo man einen Browser starten kann und Zugriff aufs Internet hat, noch weitere mobile Zugriffssoftware fürs
iPhone, Android,
Windows mobile und sonstige.
Ich beziehe mich hier auf den Android-Client, also die Software (neudeutsch:"App"), die speziell entworfen ist für internetfähige Handys und Smartphones mit dem Google-eigenen Betriebssystem.
Zu Android gäbe es einiges zu sagen, aber auch darum geht es heute hier nicht. Tatsache ist, Android-Handys werden immer beliebter, und die Softwarehersteller stellen inzwischen so gut wie immer einen Android-Ableger ihrer Produkte zur Verfügung. So auch Evernote.
Dieser Bericht bezieht sich im Einzelnen auf ein x10 mini pro Smartphone von Sony Ericsson. Wichtig hieran ist, dass das x10 mini pro tatsächlich einen viel kleineren Bildschirm als die meisten anderen Smartphones hat. Wen es interessiert: Das Handy läuft mit der Betriebssystemversion 2.1-update1 (Kernel 2.6.29).
Was ist drin?
Hat man Evernote installiert, findet sich neben dem normalen Icon in der Liste der Anwendungen auch ein sogenanntes "Widget". Diese Schnellansicht, die man sich nach Belieben an eine Stelle des Startbildschirms legen kann, bietet Zugriff auf die wichtigsten Funktionen von Evernote (v.l.n.r.):
- Zum Startbildschirm von Evernote gehen
- Neue Notiz erstellen
- Bild knipsen und in neue Notiz ablegen
- Klang aufnehmen und in neue Notiz ablegen
- Notizen suchen
Das ist praktisch, denn gerade das Erstellen von Notizen muss oft schnell gehen. Auf diese Art hat man die wesentlichen Infos meist fix erfasst, ohne sich überhaupt näher mit der Software auseinander gesetzt zu haben.
Die Bildfunktion startet die standardmäßige Handykamerasoftware, mit der man auch andere Bilder aufnimmt.
Die Klangaufnahme wird von Evernote selbst geregelt, was ein Segen ist, denn auf dem x10 mini pro ist beispielsweise keine Aufnahmesoftware vorinstalliert.
Ob es das Abfotografieren von Visitenkarten oder kleiner handschriftlicher Notizen ist, ob man eine Formulierung aufspricht oder ein bisschen Musik einfängt - mit solcherlei leichtem Gerät wird das Datensammeln ein Kinderspiel.
In unkomfortabler Form ging so etwas auch vorher schon über MMS-Nachrichten, die man an eine spezielle Evernote-E-Mail-Adresse schickte. Bilder und Klang ließen sich so einfangen und wurden automatisch in einem Standard-Notizbuch für eingehende Nachrichten abgelegt.
Neben dem erhöhten Komfort ist natürlich in dieser Software das Ablegen viel besser und genauer. Wo man vorher die Infos einfach reingeschmissen hat, kann man nun alles fein säuberlich Einordnen. So kann man das Notizbuch angeben, in dem die Notiz abgelegt werden soll, die "Tags" (ordnende Namens-Etiketten für alle Notizen)auswählen und Titel vergeben. Die "Tags" vervollständigt Evernote beim Erstellen einer Notiz auch selbst, so dass man sich nicht fragen muss, ob man einen Kontakt unter "Adresse", "adresse", "Adressen" oder sonstwas abgelegt hatte.
Startet man die Hauptanwendung sieht man, dass mobil hier so gut wie alles geht. Suchen, Ordnen, Erstellen, Editieren (mit Vorbehalten, rich text mit blumigen Formatierungen muss man noch am PC bearbeiten)…
Wie findet man seine Notizen wieder?
Nun, man kann sich zunächst einfach eine Liste anschauen, die auf Wunsch auch kleine Vorschaubilder enthält.
Klickt man auf eine Notiz, wird der Inhalt geladen und dargestellt. Bei großen Bildern kann es speziell auf einem kleinen Bildschirm ungemütlich werden. Die Zoomfunktion ist unzulänglich, weil man entweder nicht weit genug heraus oder nicht nah genug heran zoomen kann. Fairer weise muss man aber dazu sagen, dass sich dieses Problem auf die Darstellung von hochauflösen eingescannten Briefen bezieht. Kleinere Bilder sind gut zu lesen und zu betrachten.
Natürlich kann man auch Notizen suchen. Die Suchfunktionen von Evernote sind generell sehr umfangreich. Das geht viel weiter, als ich hier beschreiben will. Man kann nach "Tags" suchen, nach Text, nach Text, der in Bildern vorkommt(!), man kann nach Erstelldatum, angehängten Dateien, To-Dos und weiteren Inhalten suchen. Man kann auch Suchen neu starten, die man zuvor gespeichert hatte ("Finde mir alle Notizen vom sounsovielten, die dieses und jenes enthalten"). All das geht nun auch unterwegs.
Man kann sich auch die Notizen nach Tags oder Notizbuch anzeigen lassen.
Diese Funktionen sind eigentlich wichtiger als der ganze Komfort beim Ablegen. Denn nun habe ich alles unterwegs im Zugriff, was ich entweder am heimatlichen PC, im Büro oder sonstwo am PC oder eben auch unterwegs in Evernote abgelegt habe. Das können auch Dateien jeglichen Formats sein, wenn man Premium-Nutzer ist. Für Standardnutzer beschränkt sich das Dateiformat auf PDF.
Konkret bedeutet das, dass ich schon einmal eine Lesung hatte, bei der ich einen Teiltext vom Handy vorgelesen habe, weil ich bis zum Auftritt keine Möglichkeit zum Ausdruck hatte (Hallo Druckerhersteller! Mobiler Drucker!). Irgendwann verlor ich aber die Panik und konnte mich auf die Organisation der Lesung konzentrieren, weil mir auffiel, dass ich den Text ja schon dabei hatte… in Evernote! Denn Evernote "überwacht" mein Verzeichnis für neue Texte im Bürorechner und legt alle neu hinzugekommenen Dateien automatisch in Evernote ab.
Ich könnte noch viele Beispiele geben,
aber keines reicht an das heran, was ich hier lesen konnte… das Versprechen von "remember everything everywhere" kann für einige Menschen äußerst wichtig sein. So oder so: Für Standardnutzer ist der Dienst sowie alle Clients (PC, web, Handy-App) umsonst. Klare Empfehlung für alle, die Notizen machen.