Freitag, 21. Januar 2011

Storyspiel - aus den Würfeln gesogen...

Ihr Geschichtenerzähler!

Lasst uns spielen! Das Spiel geht ganz einfach. Ich habe mir Storycubes gekauft, welche allerlei Symbole fürs freie Assoziieren und gebundene Brillieren enthalten.



An manchen Freitagen würfle ich und stelle ein solches Bild online.
Dann fangt ihr an.

Es gibt nur folgende Regeln:

- Erzähle eine Geschichte!
- Verwende die Bilder der Würfel!

Abgesehen davon sind wir frei. Wir können dichten oder Prosa schreiben, lang oder kurz, laut oder leise. Ihr dürft es meinetwegen auch mit Bildern versuchen, denn "Geschichtenerzähler" ist ein dehnbarer Begriff. Ein Comic, beispielsweise, käme einer Heldentat gleich! Wenn ihr mögt, könnt ihr die Nummerierung benutzen, um in eueren Geschichten zu zeigen, welchen Würfel ihr gerade verwertet (die Nummer in Klammern einfügen).
Meist merkt man das zwar auch ohne Hinweis, doch wer zu solchen Heldentaten wir Tobi Katze fähig ist, fügt die Nummer am besten doch mit ein.

Zitat Tobi:







"Er zog sich an!"





Als Geschichtenanfang schlage ich, neben dem Klassiker "es war einmal..." vor:
- "Eines Tages, auf dem Amt für Gerechtigkeiten..." (ein Anfang, den wir Katja Freese verdanken!)
- "Was Klaus nicht wusste, war..."
- "Am letzten Tag meines Lebens..."

Postet eure Beiträge als Kommentare hier im Weblog, denn hier findet das Spiel statt! Wir freuen uns auf euere Geschichten.
P.S.: Wegen Spamschutz muss ich alle Kommentare noch einmal sehen und aktivieren. Lasst euch also nicht ins Bockshorn jagen, das Posting klappt schon!

Mittwoch, 19. Januar 2011

Werkzeug für Autoren - Evernote Mobile



Mit den Notizen ist es ja so eine Sache…

Im Regal meines Büros stehen fein säuberlich aufgereiht die Gedanken der Jahre nebeneinander in kleinen handschriftlichen Bänden. Seit Livescribe kann diese Handschrift zwar wesentlich mehr, als einfach nur gelesen zu werden, aber eines haben diese Bände gemeinsam: Sind die Bücher voll, bleiben sie im Regal.
Das heißt auch, dass ich auf diese Notizen nur bedingt Zugriff habe. Die Bedingung ist eben, dass ich da bin, wo die Notizen sind.

Das ist mit Evernote anders. Ich will jetzt gar nicht den ganzen Dienst beschreiben, nicht zuletzt deswegen, weil ich das schon an anderer Stelle getan habe. Wer jenen anderen Artikel nicht lesen will und das wichtigste in Kürze braucht: Evernote legt alle Arten von Notizen online ab und stellt sie dem Nutzer überall zur Verfügung. Notizen können getippter Text, Dateien, Klänge, Bilder (nach Text durchsuchbar!) oder spezielle Freihand-Dateien, sogenannte "inks" sein.

Worum es heute geht ist, was genau aus Evernote wird, wenn der Dienst auch unterwegs genutzt wird.

Evernote mobile.

Mobil kann vieles heißen. Evernote hat neben dem Webclient, der also überall läuft, wo man einen Browser starten kann und Zugriff aufs Internet hat, noch weitere mobile Zugriffssoftware fürs iPhone, Android, Windows mobile und sonstige.
Ich beziehe mich hier auf den Android-Client, also die Software (neudeutsch:"App"), die speziell entworfen ist für internetfähige Handys und Smartphones mit dem Google-eigenen Betriebssystem.
Zu Android gäbe es einiges zu sagen, aber auch darum geht es heute hier nicht. Tatsache ist, Android-Handys werden immer beliebter, und die Softwarehersteller stellen inzwischen so gut wie immer einen Android-Ableger ihrer Produkte zur Verfügung. So auch Evernote.
Dieser Bericht bezieht sich im Einzelnen auf ein x10 mini pro Smartphone von Sony Ericsson. Wichtig hieran ist, dass das x10 mini pro tatsächlich einen viel kleineren Bildschirm als die meisten anderen Smartphones hat. Wen es interessiert: Das Handy läuft mit der Betriebssystemversion 2.1-update1 (Kernel 2.6.29).

Was ist drin?

Hat man Evernote installiert, findet sich neben dem normalen Icon in der Liste der Anwendungen auch ein sogenanntes "Widget". Diese Schnellansicht, die man sich nach Belieben an eine Stelle des Startbildschirms legen kann, bietet Zugriff auf die wichtigsten Funktionen von Evernote (v.l.n.r.):



- Zum Startbildschirm von Evernote gehen
- Neue Notiz erstellen
- Bild knipsen und in neue Notiz ablegen
- Klang aufnehmen und in neue Notiz ablegen
- Notizen suchen

Das ist praktisch, denn gerade das Erstellen von Notizen muss oft schnell gehen. Auf diese Art hat man die wesentlichen Infos meist fix erfasst, ohne sich überhaupt näher mit der Software auseinander gesetzt zu haben.

Die Bildfunktion startet die standardmäßige Handykamerasoftware, mit der man auch andere Bilder aufnimmt.
Die Klangaufnahme wird von Evernote selbst geregelt, was ein Segen ist, denn auf dem x10 mini pro ist beispielsweise keine Aufnahmesoftware vorinstalliert.
Ob es das Abfotografieren von Visitenkarten oder kleiner handschriftlicher Notizen ist, ob man eine Formulierung aufspricht oder ein bisschen Musik einfängt - mit solcherlei leichtem Gerät wird das Datensammeln ein Kinderspiel.
In unkomfortabler Form ging so etwas auch vorher schon über MMS-Nachrichten, die man an eine spezielle Evernote-E-Mail-Adresse schickte. Bilder und Klang ließen sich so einfangen und wurden automatisch in einem Standard-Notizbuch für eingehende Nachrichten abgelegt.
Neben dem erhöhten Komfort ist natürlich in dieser Software das Ablegen viel besser und genauer. Wo man vorher die Infos einfach reingeschmissen hat, kann man nun alles fein säuberlich Einordnen. So kann man das Notizbuch angeben, in dem die Notiz abgelegt werden soll, die "Tags" (ordnende Namens-Etiketten für alle Notizen)auswählen und Titel vergeben. Die "Tags" vervollständigt Evernote beim Erstellen einer Notiz auch selbst, so dass man sich nicht fragen muss, ob man einen Kontakt unter "Adresse", "adresse", "Adressen" oder sonstwas abgelegt hatte.



Startet man die Hauptanwendung sieht man, dass mobil hier so gut wie alles geht. Suchen, Ordnen, Erstellen, Editieren (mit Vorbehalten, rich text mit blumigen Formatierungen muss man noch am PC bearbeiten)…



Wie findet man seine Notizen wieder?

Nun, man kann sich zunächst einfach eine Liste anschauen, die auf Wunsch auch kleine Vorschaubilder enthält.



Klickt man auf eine Notiz, wird der Inhalt geladen und dargestellt. Bei großen Bildern kann es speziell auf einem kleinen Bildschirm ungemütlich werden. Die Zoomfunktion ist unzulänglich, weil man entweder nicht weit genug heraus oder nicht nah genug heran zoomen kann. Fairer weise muss man aber dazu sagen, dass sich dieses Problem auf die Darstellung von hochauflösen eingescannten Briefen bezieht. Kleinere Bilder sind gut zu lesen und zu betrachten.

Natürlich kann man auch Notizen suchen. Die Suchfunktionen von Evernote sind generell sehr umfangreich. Das geht viel weiter, als ich hier beschreiben will. Man kann nach "Tags" suchen, nach Text, nach Text, der in Bildern vorkommt(!), man kann nach Erstelldatum, angehängten Dateien, To-Dos und weiteren Inhalten suchen. Man kann auch Suchen neu starten, die man zuvor gespeichert hatte ("Finde mir alle Notizen vom sounsovielten, die dieses und jenes enthalten"). All das geht nun auch unterwegs.



Man kann sich auch die Notizen nach Tags oder Notizbuch anzeigen lassen.



Diese Funktionen sind eigentlich wichtiger als der ganze Komfort beim Ablegen. Denn nun habe ich alles unterwegs im Zugriff, was ich entweder am heimatlichen PC, im Büro oder sonstwo am PC oder eben auch unterwegs in Evernote abgelegt habe. Das können auch Dateien jeglichen Formats sein, wenn man Premium-Nutzer ist. Für Standardnutzer beschränkt sich das Dateiformat auf PDF.

Konkret bedeutet das, dass ich schon einmal eine Lesung hatte, bei der ich einen Teiltext vom Handy vorgelesen habe, weil ich bis zum Auftritt keine Möglichkeit zum Ausdruck hatte (Hallo Druckerhersteller! Mobiler Drucker!). Irgendwann verlor ich aber die Panik und konnte mich auf die Organisation der Lesung konzentrieren, weil mir auffiel, dass ich den Text ja schon dabei hatte… in Evernote! Denn Evernote "überwacht" mein Verzeichnis für neue Texte im Bürorechner und legt alle neu hinzugekommenen Dateien automatisch in Evernote ab.

Ich könnte noch viele Beispiele geben, aber keines reicht an das heran, was ich hier lesen konnte… das Versprechen von "remember everything everywhere" kann für einige Menschen äußerst wichtig sein. So oder so: Für Standardnutzer ist der Dienst sowie alle Clients (PC, web, Handy-App) umsonst. Klare Empfehlung für alle, die Notizen machen.

Dienstag, 18. Januar 2011

Gedächtnis und Erinnerung

"Ich habe das Gefühl, ich war gar nicht da."

So fasste das Töchterchen die Zeit zusammen, an die sie sich nicht erinnern kann. Das Langzeitgedächtnis wird erst ab einem bestimmten Zeitpunkt befüllt, so sagt man. Obwohl das nun jeder bestätigen könnte, wackelt allein diese Aussage an so vielen Stellen, dass sie schön veranschaulicht, welch ungreifbares Konzept hinter dem Begriff Gedächtnis steckt.

Man kann dem Gedächtnis nicht trauen. Seine Erinnerungen garantieren nicht, dass man etas auch wirklich erlebt hat, über manche Dinge verrät es einem nichts und was man schließlich noch weiß, muss man noch lange nicht voll verstanden haben...

Die frühesten Erinnerungen der meisten Menschen setzen irgendwann im dritten oder vierten Lebensjahr ein. Wenn man sich als Vater vor Augen hält, wie viel Leben, wie viel Nähe und gemeinsame Zeit man bis dahin mit einem Kind hatte, dann kann es einem ganz anders werden. Stürbe man in dieser Zeit, behielte das Kind nicht einmal ein Gesicht im Kopf. Es würde als erwachsener Mensch dereinst behaupten, seinen Vater nie kennen gelernt zu haben. Tatsächlich kenne ich diesen Satz von einem Freund, dessen Vater früh starb. Ich habe wenig Erinnerungen an meinen leiblichen Vater, auch wenn ich ihn erst mit 11 Jahren das letzte Mal sah. Wenn man die verlebte Zeit der Erinnerungen aufaddiert, kommt man maximal auf ein paar Tage.
Wer noch beide Elternteile hat, kann sein Gedächtnis ja anhand weit weniger dramatischer Ereignisse testen und die Nervenzellen nach einem sehr schönen Urlaub befragen. Immerhin sind Ferien und Urlaub Gelegenheiten, viele neue Eindrücke zu sammeln. Die bleiben ja gerne besonders stark haften. Wie viel bleibt übrig? Das Langzeitgedächtnis sollte seinen Dienst im Erwachsenenalter bereits sehr viel besser verrichten, als im Kleinkindalter - und doch behält man nicht viel mehr als einen Flickenteppich von Gesichtern und ein paar tiefen Atemzügen irgendwo in der Landschaft.
Nur weil man etwas besonderes erlebt hat, heißt das noch lange nicht, dass man sich daran erinnert.

Damit nicht genug.
Der Inhalt des Gedächtnisses selbst ist außerdem auch noch massiv in Zweifel zu ziehen. Menschen konstruieren sich Erinnerungen zurecht. Man kann Menschen dazu bringen, sich an Ereignisse zu erinnern, die sie nie erlebt haben. Dazu braucht es keine Hypnose. Eine simple Fotomontage kann da ausreichen, wie Versuche gezeigt haben. Bugsierte man Bilder von Versuchspersonen in Aufnahmen von Kirmesbesuchen, waren sie plötzlich in der Lage, einem allerlei Details eines solchen Tages zu berichten.
Dass man sich an etwas erinnert, heißt noch lange nicht, dass man es auch erlebt hat.

Unangenehmes oder Unverständliches verbirgt das Gedächtnis gerne vor seinem Wirt. Das Konzept der Verdrängung ist sehr erfolgreich, denn es hilft Menschen, Traumata und große Schrecken zu überleben. Probleme entstehen, wenn die Umstände sich ändern, aber die Person an dem alten Überlebensmechanismus festhält. Die Eindrücke, die ein bestimmtes Verhalten hervorgerufen haben, sind ja vor einem verborgen. Man kann sich also nicht selbst zur Räson rufen. Folglich rennt man in gewisser Weise ferngesteuert von den eigenen Traumata durch die Gegend und verhält sich unangemessen.
Nur weil man sich an ein Erlebnis nicht erinnert, heißt das noch lange nicht, dass man nicht von ihm gelenkt wird.

Meine "Pflegeschwester" konnte sich noch daran erinnern, dass sie und ihr damaliger Freund mich zur Betreuung bei meiner leiblichen Mutter aus Lünen abholten, als meine Schwester ungefähr 16 Jahre alt war. Diese Erinnerung verwirrte sie. Meine leibliche Familie lebte damals nicht in Lünen. Warum wurde ich in Lünen abgeholt? Die Verwirrung stand ihr ins Gesicht geschrieben. Ihr damaliger Freund ist ihr heutiger Mann. Er ist ein paar Jahre älter. Er hatte damals die entscheidenden paar Jährchen mehr Lebenserfahrung und konnte sich - getrennt befragt - entsinnen: Meine Mutter hatte fluchtartig mit mir die Wohnung verlassen und sich in einem Hotel einquartiert. Er hatte die Situation bereits damals voll verstanden und entsprechend abgespeichert. Meine Schwester hingegen betrachtet die Erinnerung hieran auch im Alter von rund 50 Jahren immer noch mit dem geistigen Horizont einer Sechzehnjährigen. Sie kann gar nicht anders. Ihr Gedächtnis ist so beschaffen. Man kann nicht Fakten aus dem Gedächtnis abrufen wie aus einer Festplatte, um sie dann objektiv zu analysieren. Man kann sich maximal ins gleiche Unverständnis zurück versetzen, das man einst hatte. Es erinnert sich immer die Person, die man zum Zeitpunkt des Erlebens einer Erinnerung war.

Nach all diesen Fragezeichen hinter unserem Gedächtnis drängt sich die letzte Frage auf: Was bleibt uns von unserem Leben?
Wer sind wir, ohne unser Gedächtnis? Wir müssten uns bei jeder Situation jeglichen Urteils enthalten, denn ohne Gedächtnis kein Deutungshorizont. Alles bliebe im Unbestimmten, einschließlich unseres Ichs.
Meine Großmutter hatte einmal rund zwei Stunden, um mir von ihrem Lebenslauf zu erzählen. Heraus kamen circa fünfzehn Minuten vor dem Krieg, fünfzehn Minuten für die gesamte Zeit von 1945 bis 2009 - und sehr viele Eindrücke aus dem Krieg selbst im Rest der Gesprächszeit. Rund vier Jahre Schrecken. Die Bilanz eines Lebens? Was ist mit ihren Glücksmomenten, ihrer Kindheit?
Hat mein Freund wirklich seinen Vater nie kennen gelernt? Wo sind die väterlichen Berührungen hin, die Gerüche der Kleidung, der Klang der Stimme?

Ich glaube, Gedächtnis und Erinnerung sind zwei verschiedene Dinge. Erinnerung geht tiefer. Sie ist ohne Gestalt. Sie hält sich länger.
Wenn man zur Ruhe kommt, wenn man mal nichts tut, wirklich einfach auf der Couch sitzt und nichts tut, nicht einmal meditieren… dann sinkt man unweigerlich in sich selbst ein, wie in lichter Watte. Und dort, jenseits aller Deutung und Emotion findet sich der formlose Eindruck eines ganzen Lebens, gleichermaßen destilliert in einem einzigen Gefühl.
Darum schrecken die meisten vor einem innigen Besuch dieses Orts zurück: man weiß ja nicht, worauf man dort trifft. Auf Angst oder auf Liebe.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Werkzeug für Autoren - Livescribe und der Stift der Zukunft

(zu den anderen Artikeln der Reihe "Werkzeug für Autoren")

Handschriftliche Notizen kommen durch Services wie Evernote und mobile Endgeräte mit ausreichend großer Tastatur ein wenig außer Mode. Allerdings bin ich ein großer Verfechter traditioneller Schreibmethoden und Datenspeicher. Gleichzeitig bin ich begeisterter Evernote-Nutzer.

Livescribe kombiniert beide Welten. Livescribe ist 19. Jahrhundert meets 21. Jahrhundert.

Livescribe ist ein Unternehmen, welches sogenannte Smartpens und passende Notizbücher herstellt und vertreibt. Der Smartpen ist ein Kugelschreiber, der außerdem noch folgendes enthält:

- ein Mikrofon
- einen Lautsprecher
- eine Infrarotkamera
- ein Display
- eine Recheneinheit
- ab 2 bis ca. 16 GB Speicher, je nach Modell
- einen USB Anschluss
- einen Eingang für ein Stereo-Mic/Kopfhörer Headset

Was kann man damit machen?

Nun, das läuft so: Man schlägt sein Notizbuch auf, tippt mit dem Stift auf  die aufgedruckten Record/Play/Pause Knöpfe auf dem Papier, um beispielsweise eine Aufnahme zu starten und macht dann während eines Gesprächs handschriftliche Notizen. Am Ende der Aufnahme kann man irgendwo im Notizbuch auf eine Notiz tippen und hört, was zu dem Zeitpunkt des Niederschreibens der Notiz gerade gesagt wurde.
Das ist so abwegig, dass man es sehen muss, um es voll zu begreifen.




So etwas funktioniert über stundenlange Gespräche hinweg, denn in der kleinsten Speicherversion kann man bereits über hundert Stunden Audio in mittlerer Qualität aufzeichnen. Neben der reinen Steuerung der Audio-Aufnahme kann man über das Papier aber auch Lesezeichen anlegen (die man nach Beenden der Aufnahme über Papierknopfdruck auch wieder ansteuern kann), die Lautstärke sowie andere Einstellungen des Stiftes regeln, oder einen standardmäßig aufgedruckten Taschenrechner benutzen.

Die Interaktion Papier/Stift kann auch über Drittanbieter erweitert werden. So gibt es Software, mit der man das Notizbuch in einen Übersetzer verwandeln kann: deutsches Wort aufschreiben, der Stift gibt die Übersetzung aus.
Oder man malt eine Zeitangabe im Format hh:mm:ss und der Stift macht auf Kommando (d.h. Druck aufs Papier) einen Countdown. Das ist zum Beispiel nützlich fürs Brainstorming, welches ja mit Zeitbegrenzung laufen soll.

Was stellt man am Ende mit seinen Notizen an?

Da der Stift am Rechner angeschlossen werden kann, kann  man die handschriftlichen Notizen sowie das Audiomaterial auf eine Desktopsoftware übertragen, die alle Notizen sauber verwaltet. Die Verknüpfung zwischen Notiz und Audio bleibt dabei erhalten, das heißt, man kann mit der Maus auf sein Gekritzel tippen und man hört wieder, was zu dem Zeitpunkt gesagt wurde. Eine solche Datei kann man auch separat abspeichern, in einem sogenannten "Pencast".

Das Spezialpapier von Livescribe ist mit einem sehr feinen kaum sichtbaren Punktmuster übersät, welches dieses technische Wunder erst möglich macht. Das bedeutet, man muss das Papier benutzen. Entweder kauft man die Notizbücher von Livescribe oder man druckt das Papier samt Muster via Software selbst aus. Hierzu benötigt man aber einen postscriptfähigen Laserdrucker.
Ich kaufe einfach Notizbücher. Die Kosten halten sich in Grenzen (beispielsweise 19 Euro für vier Bücher mit je 160 Seiten).

Sind die Notizen im Rechner kann man die handschriftlichen Notizen auch durchsuchen. Die Volltextsuche über meine Sauklaue von Handschrift war dabei erstaunlich erfolgreich. Ich habe mir keine Mühe gegeben, besonders leserlich zu schreiben und Livescribe hat alle Stichwörter gefunden und hinterlegt die Fundstellen dabei mit gelber Farbe.

Für Evernote-Nutzer besonders interessant ist die Kooperation zwischen Livescribe und Evernote. Alle Notizen können als Audio, Bilddatei oder mit beidem automatisch in Evernote abgelegt werden. Auf die Art werden die Notizen direkt im momentan besten Notizenspeicher abgelegt, der sich denken lässt.

Was geht noch?

- Stereo-Audioaufnahmen über das mitgelieferte Stereoheadset
- Transkription der handschriftlichen Notizen in Textdateien über kostenpflichtigen Drittanbieter (nicht getestet)
- Archivierung alter Notizen. Wenn das Buch voll ist, oder der Speicher im Stift verbraucht, kann man die Notizen im Archiv ablegen. Damit kann man dann Speicher freimachen, verliert aber die Verbindung zwischen Buch und Stift, die fürderhin nur noch im Archiv enthalten ist.
- Online-Konvertierung der gesamten Notiz-Session in einen interaktiven Flash-Film
- Konvertierung in PDF (nur Bild) oder natives Format (Bild und Audio)
- man kann in einem Gespräch auch nur die Audioaufnahme im Stift starten und keine Notizen machen. Falls man später, beim reinen Nachhören, beginnt Notizen zu machen, werden diese auf die bekannte Art und Weise mit dem Audiomaterial verknüpft. In manchen Gesprächssituationen äußerst praktisch, wenn man sich ganz auf die Unterhaltung konzentrieren möchte.

Gibt es auch Nachteile?

Klar.

- Die Evernote-Verknüpfung ist noch inkonsequent, denn noch kann Evernote nicht selbst die sogenannten Pencasts abspielen. Die Desktopsoftware muss also auf dem Rechner installiert sein. Da Evernote aber davon lebt, dass man es eben nicht nur auf dem heimischen Rechner nutzt, ist das ein Nachteil. Allerdings hat die Kooperation der beiden Dienste erst kürzlich begonnen. Da steht noch einiges ins Haus.
- Die Pencasts können nur online in Flash konvertiert werden. Man kann die  resultierende Flashdatei aber nicht herunterladen. Wer den Pencast sehen will, muss sich registrieren. Das nervt. Kaum jemand, der den Stift nicht hat, wird sich das antun wollen, um zum Beispiel ein Protokoll einer Sitzung zu sehen.
- Es gibt keine kleine Abspielsoftware für die Pencasts. Damit ein Pencast also so leicht zu öffnen ist wie eine PDF-Datei, muss noch ein bisschen was passieren. Denn keiner, der nur die Notiz sehen will, hat Lust, gleich die komplette Desktopsoftware zu installieren.
- Ich rate überhaupt von der Nutzung des Online-Dienstes ab. Die Speicherung der Pencasts ist zwar standardmäßig von der Öffentlichkeit abgeschirmt - mit anderen Worten, andere können die Datei nur sehen, wenn man sie explizit dazu einlädt. Aber es gibt kein Statement von Livescribe zur Datensicherheit. Die Übertragung ist nicht verschlüsselt, und auch die Daten liegen hinterher unverschlüsselt auf dem Server. Wenn man also Besprechungen oder Interviews mit vor allem sensitivem Audiomaterial aufnimmt, behält man diese Daten besser lokal.
- Nicht direkt ein Nachteil, eher eine Benutzungsanweisung: man muss natürlich die Gesprächspartner davon informieren, was man gerade tut, denn  unerlaubte Audioaufnahmen von Gesprächen sind unzulässig.

Fazit:

Als ich diese Technologie das erste Mal benutzt habe, dachte ich, ich bin in der Zukunft. Endlich!
Die Begeisterung hält an. Wer viele Notizen macht, wer sich oft mit anderen bespricht, wer Interviews führt, wer in Lernsituationen ist, findet hier ein Produkt, welches wirklich einmal den abgenudelten Begriff "innovativ" mit Bedeutung füllt. Kaufempfehlung!

Mittwoch, 5. Januar 2011

RUHR2011 - Musik

Das Geld ist nun also alle, aber die gute Nachricht ist: die Repräsentationskultur zwischen Großprojekt und Opernhaus kann wieder sein, was sie von jeher war - die Spitze des Eisbergs nämlich.

Die Kulturhaupstadt ist nun auch wieder das, was sie schon immer war. Eine zerfaserte Region, die vor großartiger Kultur überquillt, die sich meist einen Scheiß drum kümmert, ob irgendjemand außerhalb Notiz nimmt (und die sich im Übrigen von Geldmangel nicht beeindrucken lässt). Da laufen vielleicht sonderbare Leute herum. Da wird Bier statt Sekt getrunken (und zwar nicht zu knapp). Da wird auch mal herumgeschrien oder man sitzt mit zehn Leuten da und weint leise vor sich hin, weil man nicht fassen kann, dass man diesen wunderbaren Augenblick nur mit so wenigen wildfremden Menschen teilen kann.
Aber so sieht Kultur nun mal aus, wenn es nicht nur darum geht, andere zu beeindrucken.

Ich möchte euch also alle einladen, nach dieser besinnungslosen Geltungssucht-Orgie des letzten Jahres an einer Rückbesinnung teilzunehmen. Dortmund (und eben von mir aus auch die Region) hat derart aufregende Kulturszenen, dass man jeden Tag unterwegs sein könnte, um sich irgendetwas tolles anzusehen.

Beispielsweise Musik.
Neulich wurde ich von einer Zugereisten gefragt, wo man denn in Dortmund so hingehen könne, wenn man Musik sehen wolle. Damit war ganz eindeutig nicht das Schauspielhaus, die Oper oder das Konzerthaus gemeint. Ich beginne hier mal aufzulisten, bestimmt habe ich Dinge übersehen. Ich hoffe also darauf, dass ggf. Leser die Liste bereichern…

Gitarren-Café im Fritz-Henssler-Haus
jeden ersten Dienstag im Monat
http://www.fhh.de/veranstaltungen/index_termine.htm

Eine Beschallungsanlage vom allerfeinsten auf der professionell ausgeleuchteten Bühne, Bistrotische und ein Raum vollgestopft mit ultrakritischen Gitarrenprofessoren zwischen 40 und 60 Jahren. Hier habe ich magische Momente erlebt, sowohl auf, als auch abseits der Bühne. 14jährige Wunderkinder spielen moderne Meister, Hausfrauen aus Essen vertonen Selbstgedichtetes und schnoddrige Gitarren-Antiquitätensammler spielen den Blues. Ohne Ti-Äitsch.

Hier wird Gitarre gespielt; jeder darf ran. Den Opener macht seit einiger Zeit eine hierfür gedungene (Semi-)professionelle Truppe, aber ansonsten ist Dilettant und Gitarrengott gleichermaßen aufgerufen, sich herzuzeigen. Die offenen Weihnachtsfeiern (Mitbringbuffet!) sind stets besonders besonders.

Akkordeon-Café im Fritz-Henssler-Haus
jeden ersten Mittwoch im Monat
http://www.fhh.de/veranstaltungen/index_termine.htm

Akkordeon-Café.
Ernsthaft.
Grad entdeckt. War ich noch nie. Werde ich aber ändern. Wer Lust hat, mich zu begleiten, funkt mich an.

Fritz-Henssler-Haus

Das FHH ist generell eine Top-Adresse für Konzerte, die leicht abseits vom Mainstream liegen. Hier habe ich Tommy Emmanuel erlebt und Don Ross und Andy McKee. Im Bistro. Mit Meet & Greet. Schluck das, Youtube!

Talentschuppen im Subrosa
am letzten Donnerstag im Monat
http://www.hafenschaenke.de/schedule.html

Das Subrosa ist einen eigenen Eintrag wert, aber zuvor ein Wort über den Talentschuppen: Hingehen! Hier ist mal wieder offene Bühne, aber im Gegensatz zum Gitarrencafé kann man hier auch mit Hang-Drum aufkreuzen, A capella singen oder sich nackt ausziehen. Boris Gott leitet das Ganze mit der üblichen Rampensau-Verve und wenn der Liebling des Abends gewählt ist, wissen alle, dass hier die wahren Superstars geboren werden.

3Klang Bonsai-Festival im Subrosa
Termine hier: http://www.daddyweyland.de/?page_id=259

Das Subrosa ist einen eigenen… ähh Moment.
Das 3Klang-Festival ist eines jener Musikereignisse, die einem als Zuschauer das Gefühl geben, Teil von etwas besonderem zu sein. Drei geladene, teils überregionale Bands spielen je ca. 30 Minuten und hinterlassen meist einen so intensiven Eindruck beim Publikum, dass man stets wünscht, es möge noch nicht aufhören. Ich weiß aus sicherer Quelle, dass das Lineup der kommenden Konzerte beim 3Klang derart spektakulär wird, dass ich versucht bin, die Ausgabe von Dauerkarten anzuregen. Lasst euch das nicht entgehen.


Das Subrosa.

Über das Subrosa werde ich in den kommenden Tagen einen eigenen Text schreiben, denn es handelt sich um nicht weniger als um das Kongresszentrum der freien Künstlerschar Dortmunds, das schangelige Wohnzimmer ehemaliger Dortmunder Innenhofkinder, die erste Anlaufstelle für Kultur am Abend, Unmengen Bier und einen Satz heiße Ohren, direkt vom Wirt.

Im Takt der Stadt - Musikreihe im Bam Boomerang
Jeden Dienstag!
http://www.bam-boomerang.de/pages/im-takt-der-stadt.php

Wenn man am Kneipentisch sitzt und die Füße direkt auf der Bühne ablegen kann und dann nicht sicher ist, ob man Akustik-Metal, Countryballaden oder sexy Retrorockerinnen aus Bochum serviert bekommt, dann ist man wohl im Bam Boomerang gelandet.


Bluesstammtisch im Trödler
Termine hier: http://www.bluesstammtisch.de/about.php

Da war ich noch nie. Das klingt paradox, denn wenn man mir alles wegnimmt, mich nackt auszieht und an der Haut kratzt kommt nichts anderes als Blut und Blues zum Vorschein.
Aber die Bluespuristen haben mir immer ein gewisses Unbehagen bereitet. Und Bluesstammtisch klingt nach Bluespuristen. Ich liege bestimmt falsch und werde mich durch einen Feldversuch widerlegen. Hat wer Bock mitzukommen?

Jazz am Dienstag (1. und 3.)
http://troedler-einstein.de/?p=70

Ebenfalls im Trödler wird regelmäßig gejazzt. Auch hier gilt, hingehen und selber prüfen, denn da ich kein Jazzer bin und wohl auch keiner mehr werde, kann ich nichts anderes hierüber sagen, als dass es da ist.

Jazzsession im Café Corso
http://www.projazz.de/Konzerte/Monday%20Night%20Session/session%20corso/

Auch im Corso wird gejazzt - Rhythm Section scheint immer da zu sein, und wenn die Ladies & Gentlemen aufeinander eingestimmt sind, kann mit dem Rest der Mucke eigentlich nicht mehr viel schief gehen…


Jazz-Session, jeden Montag im Domicil
http://www.domicil-dortmund.de/

Soweit ich weiß, wurde das Domicil Dortmund in einem amerikanischen Jazzmagazin zu einem der hundert besten Jazzclubs gewählt. Weltweit.
Wer sich noch an den miesen Keller in der Leopoldstraße erinnert, weiß, dass man nicht viel Repräsentation für wahre Größe braucht, aber das neue Domizil des Domicils macht natürlich mehr her.

Rock-Session Kultur-Bistro Legato im DKH
jeden Mittwoch
Leopoldstr. 50-58

Das Dietrich-Keuning-Haus setzt hier eine Tradition fort, die im Cosmotopia/Neotopia irgendwann ein Ende fand: die offene Bühne für Rockmusik. Wie immer bei offenen Bühnen kann man an einem solchen Abend als Zuhörer Glück haben - oder unsägliches Pech. Aber wer das Risiko scheut ist mit einem Abonnement der öffentlich subventionierten Sicherheitskultur ohnehin besser beraten.

Ergänzung vom Schlakks:
"Hinzuzufügen hätt' ich noch die Freistil-Session im Domicil, jeden 3. Mittwoch im Monat. "Funk Rock Soul Rap Jazz"...nach der Opener-Band um Sista Silk und Kid Mo ist die Bühne offen, oftmals eine schöne Verschmelzung von Musikstilen, es wird gefunkt, gejazzt, gerappt...teils echt gute Musiker dabei, schön. Und wer, wenn's sich gegen halb 1 dem Ende neigt, noch heiß ist, zieht weiter ins Legato, wo man dann so einige Gestalten aus dem Domicil wieder trifft."

Soweit regelmäßige Musiktermine, wie ich sie mir gerade aus dem Hut zaubere. Habe ich was vergessen? Bestimmt! Teilt es mir mit, ich nehme es mit in die Liste auf. Und dann lasst uns da raus gehen und Musik hören, wie sie nicht im Radio kommt, wie man sie nur da draußen erleben kann, wie man sie nicht per Filesharing auf den Rechner bekommt. In Echt.

Dienstag, 4. Januar 2011

Der Kreis der Wunden

Als ich 21 und auf dem Höhepunkt meiner jugendlichen Körperkraft, zudem rank und schlank und durchtrainiert, bei alledem aber offensichtlich nicht allzu helle war, sprang ich kopfüber aus drei Metern Höhe in flaches Wasser.

Mein Handgelenk war schon gebrochen, da war mein Hintern noch nicht nass.

Nachdem ich im nahe gelegenen Krankenhaus einer komplexen Operation unterzogen worden war, nicht ohne zuvor einige mitleidige Blicke ertragen zu müssen, weil ich in dem Sommer bestimmt der hundertste Depp war, der im Baggersee das Flachwasser nicht erkennt, war meine Hand wieder voll funktionstüchtig. Das war ein Segen, denn ich stand kurz vor einer Eignungsprüfung, die mir ein Musikstudium ermöglichen sollte.

Das ist nun schon fast zwanzig Jahre her, und es ist schon komisch, aber ich habe das Gefühl, dass mein Handgelenk erst in den letzten Jahren angefangen hat, hier und da zu schmerzen. Bei den nichtigsten Verrichtungen merke ich plötzlich: Handgelenk!
Was bedeutet:
Zeit heilt eben nicht alle Wunden.
Selbst die rein körperlichen nicht. Mit der Zeit werden manche Wunden immer weher, und es ist absehbar, dass ich dereinst die Schürfwunde wieder spüren werde, die ich mir zuzog, kurz nachdem ich sagte "Nein, ohne Stützräder!"
Vielleicht ängstigt es mich schon bald darauf, verlassen zu werden, wie mit fünf Jahren, als ich meinen Eltern zusah, wie sie mich bei der Tagesmutter ließen. Und schon bald darauf stoße ich wieder einen Geburtsschrei aus, den niemand hören kann, da er in einer anderen Welt erschallt, wo ich dann endlich verstanden haben werde, wie der Kreis der Wunden sich schließt.

Montag, 3. Januar 2011

Liebesbrief ans neue Jahr

Hallo 2011,

wir kennen uns noch nicht so lang, aber Du hast mich bereits ganz für Dich eingenommen. Ich habe den Eindruck, Du steckst bis unter die Hutkante voll mit Musik, was ich herrlich finde, denn da stimmen wir beide voll überein.

Auch scheinst Du mir in vielerlei Hinsicht ruhiger zu sein als Deine Schwester 2010 - das passt mir ganz gut. Nicht, dass ich irgendetwas gegen 2010 zu sagen hätte. Wir hatten großartige Zeiten. In der Tat kann ich mich an kein anderes Jahr erinnern, in dem ich derart durchgehend großartiger Stimmung war; selbst zu Zeiten mieser Laune. Diesen Gegensatz kann wohl nur verstehen, wer ebenfalls jenen Satz von sich sagen kann, den ich als meine Quintessenz des Jahres 2010 ermittelt habe:
Ich will genau da sein, wo ich bin.

Allerdings riechst Du auch nach Veränderung, 2011. Das ist ein Duft, der gleichermaßen berückend wie beängstigend ist. Wenn Du Dir meine letzten Beziehungen zu Deinen Schwestern so anschaust, wirst Du feststellen, dass viele von Ihnen diesen Duft an sich trugen.
2008 war eine stürmische Draufgängerin. Ich wusste selbst nicht mehr, wo mir der Kopf steht und habe mich am Ende gar nicht mehr wieder erkannt. Leider hat mir das Miststück auch jede Menge Schmerzen bereitet.
2009 war eine Übergangsfreundin. Tut mir leid, dass so sagen zu müssen, aber sie konnte nicht von Dauer sein, oder jedenfalls hat sie mir klar gemacht, dass nichts von Dauer ist. Dafür hat sie mir einen großen Wechsel, beziehungsweise eine große Veränderung erleichtert. Ich denke voller Dankbarkeit an sie zurück.
2010 war ein großartiger Fick.
Kann man nicht anders sagen.
Die Zeit zog wie im Rausch an mir vorüber. Im Hinblick auf viele Feiern mit großartigen Künstlern um mich herum muss man sogar vielmehr sagen: Die Zeit zog im Rausch an mir vorüber.

Gleichzeitig habe ich das erste Mal mein volles Potential gespürt. Es ist wie ein Märchen, in dem ich selbst der Wunsch bin, der hier in Erfüllung ging.

Nun hat sie mich verlassen und Dich hierher geschickt. Ihr habt in eurer Familie komische Sitten, die Männer so an die Schwestern weiter zu reichen, aber ich will mich nicht beschweren. In ihrem Abschiedsbrief hieß es nämlich, dass nichts mir die Erfahrungen mit ihr nehmen kann. Und das war ja schließlich und endlich der Grund, warum ich mich überhaupt auf sie eingelassen habe. Sie bleibt mir also ein bisschen erhalten, wie all ihre Vorgängerinnen.

So reicht ihr mich also weiter, und ich werde jede von euch mit Kusshand in Empfang nehmen, bis mich schließlich eine von euch überleben wird.
So ist das nämlich mit meiner Familie. Wir sind samt und sonders vergänglich.

Deswegen lass uns keine Zeit verlieren.
Willst Du mit mir gehen?