Introspektives Schreiben ist eine Form des automatischen Schreibens.
Beim automatischen Schreiben kommt es auf einen von jeglichem Kritisieren ungestörten Schreibfluss an. Gerade für Autoren, die sehr kontrolliert, stilsicher und formbewusst schreiben, ist es daher ein wenig wie Urlaub von der eigenen Pedanterie. Es kann den eigenen Stil auffrischen, neue und ungewöhnliche Gedanken hervorrufen und auch die Lösung einiger Schreibprobleme sein. Man kann Ideen finden, es als Brainstorming-Methode nutzen oder mit wirklich sehr tief verborgenen Teilen des eigenen Selbst in Kontakt treten.
Automatisches Schreiben funktioniert so, dass man beginnt zu schreiben, am besten ohne Satzzeichen, und einfach auf gar nichts achtet. Außer auf die Tatsache, dass man weiterschreibt. Unsinn befreit und ist erwünscht. Einem kontrollierten Satzbau ist zu misstrauen.
Introspektives Schreiben fügt noch ein zwei Randbedingungen hinzu, die meiner Meinung nach sehr förderlich für den Prozess sind:
Ich schreibe am Rechner - mit geschlossenen Augen. Hierfür muss man entweder einen Schreibmaschinenkurs kaufen, bzw. belegen oder aber seit Jahren geschrieben haben als hätte man nichts besseres zu tun gehabt. Bei mir trifft zweites zu. Wenn man die Fingerspitzen über die Tasten huschen lässt ohne hinzusehen, kann man am Rechner einen Schreibfluss erzeugen, der mit noch weniger Reibung vor sich geht als mit dem besten Füllfederhalter. Man kann auf diese Art sehr schnell schreiben, schneller als auf Papier, vor allem aber schneller als der eigene kopfinterne Kritiker - und darauf kommt es an.
Unsere Fähigkeit, laufend zu hinterfragen, was wir zu tun im Begriff sind, ist ein großer Segen, denn ansonsten liefe ich im Sommer nackt durch die Öffentlichkeit, würde bei jedem Parkwutanfall fremde Windschutzscheiben demolieren und äße morgens, mittags und abends Schokoladeneis. Nackt, fett und gewalttätig landete ich also früher oder später in der Klapse.
Beim kreativen Chaos allerdings ist der Kritiker nicht nur überflüssig - er schadet. Und er nervt hochgradig. Wer etwas erschafft, will vor allem spielen. Und spielen macht ohne Bewertung am meisten Freude. Der Kritiker kann später, wenn aus dem Chaos Form gewonnen werden muss, hinzu gezogen werden! Dann ist es noch früh genug.
Bis dahin also, Augen zu, den Kopf am besten nach hinten abstützen und leicht nach oben richten. Grad so gemütlich, dass man nicht direkt weg pennt. Die Arme ein wenig ausgestreckt und los geht es. Es hilft im Übrigen, wenn man sich vorstellt, das Gehör nach hinten auszurichten. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber es hilft, aus den Regionen des Kopfes heraus zu kommen, in denen der Kritiker sich tummelt.
Man sollte sich ein Zeitlimit setzen. Innerhalb dieser Begrenzung ist die Freiheit um so größer, denn erstens will man die kostbare Zeit nicht mit Denken verschwenden, und zweitens habe ich oft erlebt, dass vollkommene Spielfreiheit innerhalb eines begrenzenden Rahmens oft die schöpferischen Kräfte zu ungeahnten Höhen treibt. Vielleicht braucht man ein bisschen Restreibung, vielleicht mag der Geist die Herausforderung, das weiß man nicht.
Außerdem hilft einem das Zeitlimit, sich nicht rettungslos in den eigenen Assoziationsketten verlieren. Unvorbereitet und mit ungünstiger Stimmungslage kann einen diese Übung nämlich ganz leicht aus dem Alltagsgeschehen werfen.
Ein wichtiges Zeichen dafür, dass man sich aus dem Fluss des automatischen Schreibens entfernt, sind Pausen. Pausen sind meist Denkpausen. Denken aber ist unerwünscht. Wenn der Lärm der Tasten abebbt, weiß ich, es läuft was schief und tippe etwas. Vorzugsweise Wörter, und zwar wirklich vollkommen schnurz welche. Aber wenn die Verzweiflung gar zu groß wird, tun es auch wilde Buchstabenkombinationen, aus denen - wenn man viel Glück hat - Wörter erwachsen können. In solch schönen Augenblicken läuft das introspektive Schreiben zur Hochform auf, denn man erreicht einen Zustand, in dem der Text sich selbst träumt.
Schließlich und endlich kommt das Aufräumen. Die Schreibsoftware hat mich mit ihrem Zeitlimit ans Aufhören erinnert und ich finde ins normale Autorendasein zurück. In diesem allerdings starre ich dann nicht selten auf einen Haufen Wörter, die man vielleicht unter Pseudonym beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb vorlesen kann, aber ganz bestimmt nicht als eigenen Text ausgeben will.
Das macht aber nichts. Denn ich verfüge ja über ein ausgezeichnetes Werkzeug für diese Phase der Arbeit: den kopfinternen Kritiker. Hier darf er sich austoben, Passagen per "Entf" ins ewige Vergessen schicken, Absätze neu ordnen, das Ende an den Anfang stellen und was dergleichen Späße mehr sind. Nicht selten jedoch ist er, der sonst nie die Klappe hält, auffällig still. Weil er sich wundert, was da aus mir heraus gekommen ist. Und dann zucken wir mit den Schultern und bewahren die seltsamsten Gedanken in einem kleinen Kästchen auf, das wir immer dann öffnen, wenn wir in der Stimmung sind, jemanden zu bestürzen.
Dienstag, 22. März 2011
Donnerstag, 17. März 2011
Gedichtspiel literarischer Spielplatz: Einschneidende Erfahrung
Hier mal ein Gedicht, das beim Gedichtspiel während des literarischen Spielplatzes entstand. Beim Gedichtspiel gibt uns das Publikum Wörter und wir dichten. Wir versprechen nichts, man muss nicht alle Wörter nutzen.
Zu verbauen gab es :
Morgenröte
Klabusterbärchen
Reizdarm
Morbus Crohn
Kassettenrekorder
Stichsäge
Entsorgungsunternehmen
Piratenschiff
Es ist zur zarten Morgenröte,
da ich dich behutsam töte.
Behutsam, mit der Stichsäge,
detailverliebt, fast träge.
Klabusterbärchen, Reizdarm, Brust
zerteile ich mit großer Lust.
Ich brauche dich nicht mal zu lähmen.
Das Entsorgungsunternehmen
nimmt dich in kleinen Tüten mit.
Das ist genial - obwohl durch Schnitt
Beim Vorlesen macht die Schreibweise von "durch Schnitt" keinen großen Unterschied, aber ich habe "Durchschnitt", "Durch-Schnitt" und obiges zur Auswahl und mag es so am liebsten...
Zu verbauen gab es :
Morgenröte
Klabusterbärchen
Reizdarm
Morbus Crohn
Kassettenrekorder
Stichsäge
Entsorgungsunternehmen
Piratenschiff
Es ist zur zarten Morgenröte,
da ich dich behutsam töte.
Behutsam, mit der Stichsäge,
detailverliebt, fast träge.
Klabusterbärchen, Reizdarm, Brust
zerteile ich mit großer Lust.
Ich brauche dich nicht mal zu lähmen.
Das Entsorgungsunternehmen
nimmt dich in kleinen Tüten mit.
Das ist genial - obwohl durch Schnitt
Beim Vorlesen macht die Schreibweise von "durch Schnitt" keinen großen Unterschied, aber ich habe "Durchschnitt", "Durch-Schnitt" und obiges zur Auswahl und mag es so am liebsten...
Mittwoch, 16. März 2011
Tacheles Gedichtspiel: Torso
Noch ein Gedicht, das im "Guten Tacheles!"-Gedichtspiel entstand. Beim Gedichtspiel gibt uns das Publikum Wörter und wir dichten. Wir versprechen nichts, man muss nicht alle Wörter nutzen.
Hier waren zu verarbeiten
Freitag
Torso
Morgengrauen
Spinat
Ich war direkt im Thema und da habe ich Spinat beim besten Willen nicht eingebaut bekommen.
Wir lauschten sieben Tage, sieben bange Nächte
Hoffend auf die eine Stund', die Erlösung brächte
Am Freitag ging dein Atem tief, zitternd deine Händ'.
Dein Torso lag im Morgengrau'n friedlich hier am End'.
Mein Kind, ich lasse dich, ich lasse dich nun gehen.
Dein Lachen, deine Seel', ich seh, wie sie verwehen.
Rückblickend muss ich sagen, ein wenig zu viel Silbengetrickse für meinen Geschmack, aber die Stimmung haut wohl hin...
Hier waren zu verarbeiten
Freitag
Torso
Morgengrauen
Spinat
Ich war direkt im Thema und da habe ich Spinat beim besten Willen nicht eingebaut bekommen.
Wir lauschten sieben Tage, sieben bange Nächte
Hoffend auf die eine Stund', die Erlösung brächte
Am Freitag ging dein Atem tief, zitternd deine Händ'.
Dein Torso lag im Morgengrau'n friedlich hier am End'.
Mein Kind, ich lasse dich, ich lasse dich nun gehen.
Dein Lachen, deine Seel', ich seh, wie sie verwehen.
Rückblickend muss ich sagen, ein wenig zu viel Silbengetrickse für meinen Geschmack, aber die Stimmung haut wohl hin...
Dienstag, 15. März 2011
Wege in dir
Wenn Atmen den Geschmack von frischem Morgentau
auf dem Laub der Weiden vom nahem Fluss mitbringt,
Wenn die Nacht zurückweicht, der erste Vogel singt,
Und das Tal im Nebel liegt da im ersten Blau,
Dann will ich nur weiter, will ich alles sehen,
dann muss ich Schritt um Schritt diese Welt erkunden.
Ich und die Reise, wir haben uns gefunden.
Und unterwegs daheim, werde ich verstehen.
Dein Morgentau, dein Duft nach Laub bewegt mich nun.
Dein erstes Licht, die Ahnung von der Welt darin,
es zieht mich hin zu dir und schafft uns den Beginn
von langer Freundschaft und von allem, was wir tun.
Ein Schritt zu dir wird uns die Wege weisen.
Glaub mir, mein Freund, wir werden uns bereisen!
auf dem Laub der Weiden vom nahem Fluss mitbringt,
Wenn die Nacht zurückweicht, der erste Vogel singt,
Und das Tal im Nebel liegt da im ersten Blau,
Dann will ich nur weiter, will ich alles sehen,
dann muss ich Schritt um Schritt diese Welt erkunden.
Ich und die Reise, wir haben uns gefunden.
Und unterwegs daheim, werde ich verstehen.
Dein Morgentau, dein Duft nach Laub bewegt mich nun.
Dein erstes Licht, die Ahnung von der Welt darin,
es zieht mich hin zu dir und schafft uns den Beginn
von langer Freundschaft und von allem, was wir tun.
Ein Schritt zu dir wird uns die Wege weisen.
Glaub mir, mein Freund, wir werden uns bereisen!
Montag, 14. März 2011
Tacheles Gedichtspiel: Nachtkrankenschwesterwechselschicht
Hier mal ein Gedicht, das im "Guten Tacheles!"-Gedichtspiel entstand. Beim Gedichtspiel gibt uns das Publikum Wörter und wir dichten. Wir versprechen nichts, man muss nicht alle Wörter nutzen.
Bei diesem Gedicht fiel das Wort "Nachtkrankenschwesterwechselschicht", und schon war's um mich geschehen...
Ein Ruf der Klage hängt im dunklen Flur.
Ein tiefer Schmerz, der ohne Antwort bleibt.
Bis auf das Tickgeräusch der Zimmeruhr,
Die deine Lebenszeit in Ruh' hinschreibt.
So einsam wird es sein, wenn Tod dich sticht.
So stumm - zur Nachtkrankenschwesterwechselschicht.
Wie ich mich grad erinnere, kann man sich das von dem Tag auch noch einmal anhören!
Blogeintrag mit Audio Live-Mitschnitt - klick mich!
Bei diesem Gedicht fiel das Wort "Nachtkrankenschwesterwechselschicht", und schon war's um mich geschehen...
Ein Ruf der Klage hängt im dunklen Flur.
Ein tiefer Schmerz, der ohne Antwort bleibt.
Bis auf das Tickgeräusch der Zimmeruhr,
Die deine Lebenszeit in Ruh' hinschreibt.
So einsam wird es sein, wenn Tod dich sticht.
So stumm - zur Nachtkrankenschwesterwechselschicht.
Wie ich mich grad erinnere, kann man sich das von dem Tag auch noch einmal anhören!
Blogeintrag mit Audio Live-Mitschnitt - klick mich!
Lazarus
Regen auf den Gräbern, wo ich nach Geistern such'.
Nachtlicht wirft nun Schatten auf mich und meinen Fluch.
Geister brauchen Hüllen, und dieser Leib ist leer.
Doch kein Geist regt sich hier - sie fürchten mich zu sehr.
Irrend ohne Ziele trägt mich kein Schritt hinfort.
Ich laufe, doch ich bleib' an meinem dunklen Ort.
Der dunkle Ort in mir, ein Grab ganz ohne Stein,
worin gebettet ich zerfall' hier ganz allein.
Ein Hauch aus Schmerz und Staub, aus Zittern und aus Leid
bin ich und bleibe es, verflucht für alle Zeit.
Ein neuer Lazarus, der niemals aufersteht.
Für alle Wunder ist es dieses Mal zu spät.
Still in meiner Tiefe, in die sich senkt kein Lot,
Liege ich zerbrochen am Leben vor dem Tod.
Nachtlicht wirft nun Schatten auf mich und meinen Fluch.
Geister brauchen Hüllen, und dieser Leib ist leer.
Doch kein Geist regt sich hier - sie fürchten mich zu sehr.
Irrend ohne Ziele trägt mich kein Schritt hinfort.
Ich laufe, doch ich bleib' an meinem dunklen Ort.
Der dunkle Ort in mir, ein Grab ganz ohne Stein,
worin gebettet ich zerfall' hier ganz allein.
Ein Hauch aus Schmerz und Staub, aus Zittern und aus Leid
bin ich und bleibe es, verflucht für alle Zeit.
Ein neuer Lazarus, der niemals aufersteht.
Für alle Wunder ist es dieses Mal zu spät.
Still in meiner Tiefe, in die sich senkt kein Lot,
Liege ich zerbrochen am Leben vor dem Tod.
Freitag, 11. März 2011
Randlose Brote und andere mathematische Ungeheuer
Wenn das Töchterchen das morgendliche Brot geschnitten bekommt, dann bekomme ich nicht selten die Anweisung, eine Schnitte zu erstellen, die gefälligst keinen Rand haben soll.
"Aber ohne Rand!"
Das geht mir gegen den Strich. Denn der Rand ist auch Brot, mithin essbar und überhaupt, ich habe ja auch für den Rand bezahlt. Da müsste ich ja eigentlich schon beim Bäcker sagen, dass ich es dieses Mal nicht geschnitten brauche, sondern bitte ohne Rand. Das möchte ich mal sehen, wie lange die brauchen, bis die auch nur begreifen, wo was weggeschnitten werden soll.
Einmal ganz drum rum um den Laib. Und dann haben die ein halbes Pfund Rand in der Hand und dann sage ich, die Verpackung brauche ich nicht, wozu soll ich die zahlen? Aber das hülfe nichts, denn der Rand muss ja laut Töchterchen manchmal auch bei Broten entfernt werden, die weich sind, bis zur letzten Grenzkrume. Da soll ich Brote entranden, die derart pampig gebacken sind, dass auch noch ein AOK-gepflegtes Gebiss im letzten Lebensjahr das zerteilt bekäme.
Was mich eigentlich aber noch viel stärker entsetzt - jedes einzelne Mal - ist eine viel heimlichere Art von Widerwillen. Es handelt sich um das Wissen, dass ich der Aufgabe nicht gerecht werden kann.
Es gibt kein randloses Brot.
Die Fläche einer Brotscheibe hat nun mal einen Rand, da kann ich schnippeln wie ich will. Ich müsste schon das mathematische Fachgebiet der Topologie bemühen, um eine randlose Fläche zu finden. Ich müsste eine Scheibe Roggenbrot in Kugelform biegen, um eine randlose Fläche zu erzeugen, denn Kugeloberflächen haben keinen Rand, vorher aber müsste ich eine geeignete Projektion auswählen, mit der man normalerweise eine Kugeloberfläche in einen flachen Kartennetzentwurf überträgt, wie bei unseren Weltkarten der eigentlich kugelförmigen Erde. Die Mercatorprojektion unserer Landkarten ist aber witzlos, winkeltreu bis zum Abwinken, aber nicht flächentreu. Alles am Äquator ist viel zu klein dargestellt, zu den Polen wird es viel zu groß, deswegen nehmen wir uns auf der Nordhalbkugel auch so angenehm wichtig. Wegen der Scheiß Mercator-Projektion.
Die Frage ist also, wie soll ich die Fläche eines Roggenbrotes entsprechend strecken, bzw. in der Rückabwicklung zur Kugeloberfläche, entsprechend stauchen, dass die Mercatorprojektion als Leitfaden für die Erstellung einer Kugeloberfläche herhalten kann?
Um sieben Uhr morgens?!
So etwas macht mich wahnsinnig. Das ist wie, als ich im Matheunterricht erfuhr, dass ein Punkt der kleinste Bestandteil einer Fläche ist, und somit selbst natürlich keine Fläche hat. Natürlich. Aber da das so ist, summieren sich alle Punkte dieser Welt niemals zu einer Fläche auf, kann ja gar nicht, woher kommen also die Flächen, bei ausdehnungslosen Punkten? Einen Punkt kann ich mir nicht vorstellen, das ist wie Nullvolumen. Wenn einer in meiner Gegenwart einen solchen Begriff erwähnt, ist gleich der ganze Tag im Arsch. Dann versuche ich mir die ganze Zeit vorzustellen, wie ein Nullvolumen aussieht und bekomme Kopfschmerzen. Davon, dass Flächen keine Ausdehnung in die dritte Dimension haben, will ich gar nicht erst anfangen.
So oder so kann ich mich ja nicht zum Töchterchen umdrehen und entgeistert ausrufen: "Ach jaa, Du willst ein Brot ohne Rand? Da aber eine randlose Fläche in die dritte Dimension gebogen sein muss und ich ja wohl schlecht das Brot am künftigen Pol stauchen kann wie Sau, kannst Du mir vielleicht auch sagen, wie ich das hinkriegen soll?!"
Deswegen habe ich einen Traum: Hohle Brote. In Kugelform. Ein solches mathematisch perfektes Ungeheuer könnte ich mit Leberwurst bestreichen und sie würde befehlen "Ohne Rand!". Ich aber hielte es dem Töchterchen hin und sagte: "Ja. Dieses Brot ist randlos."
Man müsste mal mit einem Bäcker über diese Sache sprechen.
Aber ich glaub, ich halt besser einfach den Rand.
"Aber ohne Rand!"
Das geht mir gegen den Strich. Denn der Rand ist auch Brot, mithin essbar und überhaupt, ich habe ja auch für den Rand bezahlt. Da müsste ich ja eigentlich schon beim Bäcker sagen, dass ich es dieses Mal nicht geschnitten brauche, sondern bitte ohne Rand. Das möchte ich mal sehen, wie lange die brauchen, bis die auch nur begreifen, wo was weggeschnitten werden soll.
Einmal ganz drum rum um den Laib. Und dann haben die ein halbes Pfund Rand in der Hand und dann sage ich, die Verpackung brauche ich nicht, wozu soll ich die zahlen? Aber das hülfe nichts, denn der Rand muss ja laut Töchterchen manchmal auch bei Broten entfernt werden, die weich sind, bis zur letzten Grenzkrume. Da soll ich Brote entranden, die derart pampig gebacken sind, dass auch noch ein AOK-gepflegtes Gebiss im letzten Lebensjahr das zerteilt bekäme.
Was mich eigentlich aber noch viel stärker entsetzt - jedes einzelne Mal - ist eine viel heimlichere Art von Widerwillen. Es handelt sich um das Wissen, dass ich der Aufgabe nicht gerecht werden kann.
Es gibt kein randloses Brot.
Die Fläche einer Brotscheibe hat nun mal einen Rand, da kann ich schnippeln wie ich will. Ich müsste schon das mathematische Fachgebiet der Topologie bemühen, um eine randlose Fläche zu finden. Ich müsste eine Scheibe Roggenbrot in Kugelform biegen, um eine randlose Fläche zu erzeugen, denn Kugeloberflächen haben keinen Rand, vorher aber müsste ich eine geeignete Projektion auswählen, mit der man normalerweise eine Kugeloberfläche in einen flachen Kartennetzentwurf überträgt, wie bei unseren Weltkarten der eigentlich kugelförmigen Erde. Die Mercatorprojektion unserer Landkarten ist aber witzlos, winkeltreu bis zum Abwinken, aber nicht flächentreu. Alles am Äquator ist viel zu klein dargestellt, zu den Polen wird es viel zu groß, deswegen nehmen wir uns auf der Nordhalbkugel auch so angenehm wichtig. Wegen der Scheiß Mercator-Projektion.
Die Frage ist also, wie soll ich die Fläche eines Roggenbrotes entsprechend strecken, bzw. in der Rückabwicklung zur Kugeloberfläche, entsprechend stauchen, dass die Mercatorprojektion als Leitfaden für die Erstellung einer Kugeloberfläche herhalten kann?
Um sieben Uhr morgens?!
So etwas macht mich wahnsinnig. Das ist wie, als ich im Matheunterricht erfuhr, dass ein Punkt der kleinste Bestandteil einer Fläche ist, und somit selbst natürlich keine Fläche hat. Natürlich. Aber da das so ist, summieren sich alle Punkte dieser Welt niemals zu einer Fläche auf, kann ja gar nicht, woher kommen also die Flächen, bei ausdehnungslosen Punkten? Einen Punkt kann ich mir nicht vorstellen, das ist wie Nullvolumen. Wenn einer in meiner Gegenwart einen solchen Begriff erwähnt, ist gleich der ganze Tag im Arsch. Dann versuche ich mir die ganze Zeit vorzustellen, wie ein Nullvolumen aussieht und bekomme Kopfschmerzen. Davon, dass Flächen keine Ausdehnung in die dritte Dimension haben, will ich gar nicht erst anfangen.
So oder so kann ich mich ja nicht zum Töchterchen umdrehen und entgeistert ausrufen: "Ach jaa, Du willst ein Brot ohne Rand? Da aber eine randlose Fläche in die dritte Dimension gebogen sein muss und ich ja wohl schlecht das Brot am künftigen Pol stauchen kann wie Sau, kannst Du mir vielleicht auch sagen, wie ich das hinkriegen soll?!"
Deswegen habe ich einen Traum: Hohle Brote. In Kugelform. Ein solches mathematisch perfektes Ungeheuer könnte ich mit Leberwurst bestreichen und sie würde befehlen "Ohne Rand!". Ich aber hielte es dem Töchterchen hin und sagte: "Ja. Dieses Brot ist randlos."
Man müsste mal mit einem Bäcker über diese Sache sprechen.
Aber ich glaub, ich halt besser einfach den Rand.
Donnerstag, 10. März 2011
Unnütze Gedanken beim Müßiggang: Star Whores, Tao und das Lächeln der Twi'leks
Wenn ein Twi'lek sich bei hoher Geschwindigkeit in einem gasförmigen Medium bewegt, oder sich ein gasförmiges Medium mit hoher Geschwindigkeit um einen Twi'lek herum bewegt, müsste es eigentlich bedingt durch Verwirbelungen der Zipfel an beiden Tentakeln zu Peitschenknall-Geräuschen kommen, bedingt durch die kurzzeitig auftretenden Überschallbewegungen. Der Zipfel. In den Tentakeln.
Eines Twi'leks.
Das macht das gesamte erste Level von Jedi Academy mit dieser Charakterklasse vollkommen UNREALISTISCH, aber "echt ey!" (Barbara Wilkes/Lukas Kobuszewski). Niemals könnte man sich als Twi'lek auf einem dahinrasenden Zug an einen Entführer heranschleichen, denn das ewige Geknalle machte ja alles zunichte. Das Leben als Twi'lek ist bestimmt nicht einfach, Jedi-Kräfte hin oder her. Entweder sie werden als leichtbekleidete Tänzerinnen und Sklavinnen vertickt oder es knallt.
Was ich auch nicht verstehe: Darth Vader kippt den Imperator in den Ausguss und gibt danach den Löffel ab. Hinfort grinsen alle Leuchtjedis topfdoof in die Kamera, aber was bitte schön hat das mit Gleichgewicht zu tun? Wenn überhaupt, dann müsste der Imperator bereits zu Darth Maul Sätze sagen wie: "Du wirst einst das Gleichgewicht herstellen, aber natürlich erst wenn DU JEDEN EINZELNEN DIESER MOTHERFUCKER PLATTMACHST, BIS AUF ZWEI!!"
Bis dahin nämlich sind die Sith total in der Unterzahl. Und soll mir keiner erzählen, das gleichen die durch Bösartigkeit aus, so böse kann selbst Darth Vader nicht sein. Die Sith sind doch eine Minderheit, eine urbane Randgruppe, fehlt bloß noch, dass Darth Maul anfängt zu rappen - ich verstehe übrigens nicht, wie man sich als Rapper Bushido nennen kann, ich meine, die Verarsche mit Mushido liegt doch auf der Hand, oder wie?
Jedenfalls - Gleichgewicht. Das ist mitnichten am Ende von Return of the Jedi wieder hergestellt, ganz im Gegenteil! Das Gegenteil fehlt. Aus der Sicht des Gleichgewichts ist Return of the Jedi ein Gruselfilm, mit leuchtenden Zeugen Jehovas in grobem Linnen.
Was das für eine Scheiße ist, will mir übrigens auch nicht in die Birne. Ich meine nicht die Leuchterei. Wenn ich mich als Erzähler schon darauf versteife, dass die Toten erscheinen, dann sollen sie verdammt noch mal auch leuchten, ich mein, wo sind wir denn? Aber warum ist es die größte Leistung eines Jedi, den eigenen körperlichen Tod durch völliges Dematerialisieren abzuwenden? Das wird doch auch als das Meister-Kunststück angepriesen, das Anakin erlernen will, weil irgendein Sith das mal irgendwann hingekriegt hat... Warum fragt man ihn dann nicht? Irgendwo muss er ja rumgurken, der Armleuchter.
Aber darum geht's mir gar nicht. Worum es mir geht: Sith und Jedi haben ja offenbar beide so ihre Probleme mit dem Ableben. Das ist mir schon immer sauer aufgestoßen. Das ist doch kein Hinweis auf Ausgeglichenheit und Friede und lecker Midichlorianer und den ganzen Bull-Sith.
Da stimmt doch was nicht. Offensichtlich allesamt keine großen Leuchten, da können die noch so heilig vor sich hin glimmen.
Das hat doch alles mit Balance nichts zu tun. Wenn Yoda nur halb so Tao-mäßig drauf wäre, wie er tut, die kleine grüne Ratte, dann müsste er doch denken: "Lass die Sith mal machen, im Großen und Ganzen gleicht sich das alles wieder aus..."
Aber dann hätten wir nichts zu gucken.
Und ich nix zu schreiben.
Es gleicht sich also im Großen und Ganzen alles wieder aus.
Nur das mit den Twi'leks tut mir immer noch ein bisschen leid. Dann wünschte ich, jemand würde ihnen mal über die Tentakeln streicheln, so ganz ohne Sex und so, und sagen: "Jedes Mal, wenn Du Dich durch ein gasförmiges Medium bewegst und Deine Tentakeln knallen, dann stirbt irgendwo ein Midichlorianer."
Und dann könnte man sie lächeln sehen.
Eines Twi'leks.
Das macht das gesamte erste Level von Jedi Academy mit dieser Charakterklasse vollkommen UNREALISTISCH, aber "echt ey!" (Barbara Wilkes/Lukas Kobuszewski). Niemals könnte man sich als Twi'lek auf einem dahinrasenden Zug an einen Entführer heranschleichen, denn das ewige Geknalle machte ja alles zunichte. Das Leben als Twi'lek ist bestimmt nicht einfach, Jedi-Kräfte hin oder her. Entweder sie werden als leichtbekleidete Tänzerinnen und Sklavinnen vertickt oder es knallt.
Was ich auch nicht verstehe: Darth Vader kippt den Imperator in den Ausguss und gibt danach den Löffel ab. Hinfort grinsen alle Leuchtjedis topfdoof in die Kamera, aber was bitte schön hat das mit Gleichgewicht zu tun? Wenn überhaupt, dann müsste der Imperator bereits zu Darth Maul Sätze sagen wie: "Du wirst einst das Gleichgewicht herstellen, aber natürlich erst wenn DU JEDEN EINZELNEN DIESER MOTHERFUCKER PLATTMACHST, BIS AUF ZWEI!!"
Bis dahin nämlich sind die Sith total in der Unterzahl. Und soll mir keiner erzählen, das gleichen die durch Bösartigkeit aus, so böse kann selbst Darth Vader nicht sein. Die Sith sind doch eine Minderheit, eine urbane Randgruppe, fehlt bloß noch, dass Darth Maul anfängt zu rappen - ich verstehe übrigens nicht, wie man sich als Rapper Bushido nennen kann, ich meine, die Verarsche mit Mushido liegt doch auf der Hand, oder wie?
Jedenfalls - Gleichgewicht. Das ist mitnichten am Ende von Return of the Jedi wieder hergestellt, ganz im Gegenteil! Das Gegenteil fehlt. Aus der Sicht des Gleichgewichts ist Return of the Jedi ein Gruselfilm, mit leuchtenden Zeugen Jehovas in grobem Linnen.
Was das für eine Scheiße ist, will mir übrigens auch nicht in die Birne. Ich meine nicht die Leuchterei. Wenn ich mich als Erzähler schon darauf versteife, dass die Toten erscheinen, dann sollen sie verdammt noch mal auch leuchten, ich mein, wo sind wir denn? Aber warum ist es die größte Leistung eines Jedi, den eigenen körperlichen Tod durch völliges Dematerialisieren abzuwenden? Das wird doch auch als das Meister-Kunststück angepriesen, das Anakin erlernen will, weil irgendein Sith das mal irgendwann hingekriegt hat... Warum fragt man ihn dann nicht? Irgendwo muss er ja rumgurken, der Armleuchter.
Aber darum geht's mir gar nicht. Worum es mir geht: Sith und Jedi haben ja offenbar beide so ihre Probleme mit dem Ableben. Das ist mir schon immer sauer aufgestoßen. Das ist doch kein Hinweis auf Ausgeglichenheit und Friede und lecker Midichlorianer und den ganzen Bull-Sith.
Da stimmt doch was nicht. Offensichtlich allesamt keine großen Leuchten, da können die noch so heilig vor sich hin glimmen.
Das hat doch alles mit Balance nichts zu tun. Wenn Yoda nur halb so Tao-mäßig drauf wäre, wie er tut, die kleine grüne Ratte, dann müsste er doch denken: "Lass die Sith mal machen, im Großen und Ganzen gleicht sich das alles wieder aus..."
Aber dann hätten wir nichts zu gucken.
Und ich nix zu schreiben.
Es gleicht sich also im Großen und Ganzen alles wieder aus.
Nur das mit den Twi'leks tut mir immer noch ein bisschen leid. Dann wünschte ich, jemand würde ihnen mal über die Tentakeln streicheln, so ganz ohne Sex und so, und sagen: "Jedes Mal, wenn Du Dich durch ein gasförmiges Medium bewegst und Deine Tentakeln knallen, dann stirbt irgendwo ein Midichlorianer."
Und dann könnte man sie lächeln sehen.
Mittwoch, 9. März 2011
Unnütze Gedanken beim Müßiggang: Bäume und Aliens
Wenn Bäume ein halbes Jahr lang ohne Laub auskommen, warum machen sie sich überhaupt die Mühe, welches wachsen zu lassen? Die Vermutung liegt doch nahe, dass Bäume auch ein ganzes Jahr ohne Atmung zurecht kommen.
Mein Verdacht: Die Paarung kostet zu viel Energie. Kaum wird es warm genug, sprießen die Blüten, die Pollen, Samen, Kerne, Früchte, Harz und Wurz.
Also sind Bäume im Normalzustand eigentlich kahl. Die Rinde als Ur-Laub, sozusagen. Rinde statt Kinder. Ein kahler Baum genügt sich selbst und muss noch nicht einmal Luft holen. Der ganze Aufwand wegen Sex.
Was mich außerdem umtreibt. Ich kenne diese ganzen Evolutionsstammbäume von Primaten, Säugetieren und Vögeln in- und auswendig. Die ganzen abgelutschten Verzweigungen von Fisch, Amphibium, Reptil, Dinosaurier und Mini-Nager, die meist gleich hunderte von Millionen von Jahren überspannen.
Gibt es so etwas auch für Pflanzen? Weiß man, wer die Vorfahren der Birke waren? Gibt es eine Doku auf National Geographic "Als Bäume die Welt beherrschten!" über die Baumriesen des Karbonzeitalters? Wer war der Stammvater der Stämme?
Ich glaube, wir wissen zu wenig über Bäume. Was, wenn sie doch kommunizieren und bewusst sind? Da kratzen wir doch grad erst an der Oberfläche. Erste Forschungs-Ergebnisse deuten jedenfalls an, dass...
Aber wenn ich meine ganze Oberfläche außen trage und mehr von mir in der Erde steckt als oberhalb, dabei ein halbes Jahrtausend alt werde und fast nicht zu atmen brauche... nehme ich dann einen einzelnen Menschen überhaupt wahr? Oder eine Ansiedlung? Vielleicht sind Menschen und Bäume wie Zwei, die in der selben Wohnung leben, aber einander überhaupt nicht richtig wahrnehmen.
Wer garantiert uns, dass, wenn einst Außerirdische landen, sie nicht zuerst mit den Bäumen Kontakt aufnehmen wollen? Was, wenn sie das schafften?
Was, wenn das schon passiert ist?
Mein Verdacht: Die Paarung kostet zu viel Energie. Kaum wird es warm genug, sprießen die Blüten, die Pollen, Samen, Kerne, Früchte, Harz und Wurz.
Also sind Bäume im Normalzustand eigentlich kahl. Die Rinde als Ur-Laub, sozusagen. Rinde statt Kinder. Ein kahler Baum genügt sich selbst und muss noch nicht einmal Luft holen. Der ganze Aufwand wegen Sex.
Was mich außerdem umtreibt. Ich kenne diese ganzen Evolutionsstammbäume von Primaten, Säugetieren und Vögeln in- und auswendig. Die ganzen abgelutschten Verzweigungen von Fisch, Amphibium, Reptil, Dinosaurier und Mini-Nager, die meist gleich hunderte von Millionen von Jahren überspannen.
Gibt es so etwas auch für Pflanzen? Weiß man, wer die Vorfahren der Birke waren? Gibt es eine Doku auf National Geographic "Als Bäume die Welt beherrschten!" über die Baumriesen des Karbonzeitalters? Wer war der Stammvater der Stämme?
Ich glaube, wir wissen zu wenig über Bäume. Was, wenn sie doch kommunizieren und bewusst sind? Da kratzen wir doch grad erst an der Oberfläche. Erste Forschungs-Ergebnisse deuten jedenfalls an, dass...
Aber wenn ich meine ganze Oberfläche außen trage und mehr von mir in der Erde steckt als oberhalb, dabei ein halbes Jahrtausend alt werde und fast nicht zu atmen brauche... nehme ich dann einen einzelnen Menschen überhaupt wahr? Oder eine Ansiedlung? Vielleicht sind Menschen und Bäume wie Zwei, die in der selben Wohnung leben, aber einander überhaupt nicht richtig wahrnehmen.
Wer garantiert uns, dass, wenn einst Außerirdische landen, sie nicht zuerst mit den Bäumen Kontakt aufnehmen wollen? Was, wenn sie das schafften?
Was, wenn das schon passiert ist?
Montag, 7. März 2011
Werkzeug für Autoren: 10-Punkte-Text-ÜV und Papyrus Autor
"Streich doch mal den ersten Absatz!"
Das ist ein Hinweis, den jeder Autor unheimlich gerne als Rat entgegen nimmt, speziell von jemandem, der den fraglichen Text nicht einmal gelesen hat.
Warum gebe ich eine solche Ungeheuerlichkeit von mir? Weil ich bemerkt habe, dass es oft das Richtige ist. Selten ist man bereits mit dem ersten Wort als Autor voll da. Man schreibt sich eben erst einmal in Rage oder muss schlicht warm werden.
Wenn ich Gitarre spiele, leg ich auch nicht direkt mit dem schwierigsten Stück im Repertoire los, sondern lockere alle Muskeln durch ein bisschen Warmspielen.
Den Absatz testweise zu streichen, ist natürlich nicht einfach, aber das Leben ist kein Ponyhof.
Diese Weisheit ist, wie eigentlich das meiste andere, was ich so von mir gebe, nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern stammt von Andreas Eschbach, der diesen und andere Überarbeitungstips in seinem 10-Punkte-Text-ÜV zusammen gefasst hat. Mit dieser Sammlung von Überarbeitungsvorschlägen kann man jeglichen eigenen (oder fremden) Text durchgehen und auf mögliche Schwachstellen prüfen.
"Schwach" ist hierbei allerdings definiert als "schwer zugänglich", bzw. "Schwer zu lesen". Wenn es das Ziel des Autors ist, den Leser zu verwirren, einen schon als Typographie verstörenden Text zu tippen oder schlicht als besonders hochtrabend intellektuell aufzutreten, sind diese Tips nicht zielführend. Sie machen den Text nämlich tatsächlich leicht zugänglich und lassen mitunter den Autor als Wortschmied etwas in den Hintergrund treten.
Der Text-TÜV rät zu solchen Dingen wie Adjektive streichen (ja, alle!), Blähwörter kennzeichnen, Dialogauszeichner unterstreichen, lange Sätze markieren usw.
Wenn man das alles getan hat, sind drei Dinge passiert:
1. Der Text lebt noch. Man hat zwar Streichvorschläge, aber es ist noch nichts passiert. Also, Ruhe bewahren!
2. Man hat sich intensiver mit den Innereien seines Textes beschäftigt, als es bei den allermeisten Autoren ohne einen solchen Fahrplan der Fall ist. Die meisten lesen einen Text leise zur Kontrolle und stellen hier und da etwas um. Der Text-TÜV will eine ganz andere Form von Gründlichkeit.
3. Alle möglichen Dinge springen einem ins Auge.
Ab hier ist es wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass es sich um Überarbeitungsvorschläge handelt. Man kann auch alles so lassen, wie es war. Wenn man weiß, dass eine Passage nun mal sperrig gehört, wenn man will, dass ein Erzähler sich wiederholt, dann ist das eben so. Oft jedoch wollte man eigentlich nur eine Geschichte erzählen. In dem Fall beginnt an dieser Stelle die eigentliche Arbeit.
Der Text-TÜV (den Namen fänd ich eigentlich um Längen besser, aber egal) ist ein schönes Stück Autorenerfahrung. Er funktioniert mit Stift und Zettel und benötigt im Wesentlichen Hingabe, Fleiß und den Willen, den eigenen Text besser zu machen.
Wenn man auf Technik steht, kann man für schlappe 169,00 Euro auch die Software "Papyrus Autor" kaufen. Ich will mich gar nicht allzu lange über dieses Programm auslassen. Es hat einige unglaubliche Vorteile, hat mich andererseits aber nicht genug umgehauen, dass ich das Geld bisher direkt auf den Tisch gelegt hätte. Falls ich jedoch mal eine professionelle Software speziell für Autoren kaufen sollte, wird es "Papyrus Autor" werden. Und dann lege ich auch noch einmal einen ausführlicheren Bericht nach.
Schöne Funktionen sind unter anderem:
- Ablenkungsfreies Schreiben, ähnlich zu WriteMonkey
- automatisches Umwandeln des Textes in eine Standardseite
- integrierte Vollversion des Duden Korrektor(!)
- Zielvorgaben, Abgabetermine, ausufernde Textstatistiken
- Notizenbereich
- Kapitelübersicht
Für den Text-TÜV-Liebhaber am interessantesten ist jedoch, dass Papyrus Autor unter Mithilfe von Andreas Eschbach eine Stilanalyse nach obigem Prinzip eingebaut hat, die auf Knopfdruck die ganze Markierungsarbeit erledigt und den unbedarften Autor in tiefe Verzweiflung stürzt. Denn man muss es sich gerade dann noch einmal ins Gedächtnis rufen, dass es sich lediglich um Vorschläge handelt, wenn eine Maschine den eigenen Text in Frage stellt.
Meine Erfahrungen mit einer Testversion von "Papyrus Autor", die Texte bis zu einer gewissen Länge analysierte, waren jedenfalls erstaunlich. Von rein äußerlichen Stolperfallen geriet ich schnell in eine tiefere Beschäftigung mit der Erzählung hinter dem Text. Und darum geht es am Ende: Um die Geschichte.
Probiert es einfach mal aus. Dieser Text wurde nicht voll durchanalysiert, aber ich habe den ursprünglich ersten Absatz gestrichen. Diesen Tip habe ich derart verinnerlicht, dass ich es fast automatisch mache. Ein bisschen wie "Papyrus Autor"...
Das ist ein Hinweis, den jeder Autor unheimlich gerne als Rat entgegen nimmt, speziell von jemandem, der den fraglichen Text nicht einmal gelesen hat.
Warum gebe ich eine solche Ungeheuerlichkeit von mir? Weil ich bemerkt habe, dass es oft das Richtige ist. Selten ist man bereits mit dem ersten Wort als Autor voll da. Man schreibt sich eben erst einmal in Rage oder muss schlicht warm werden.
Wenn ich Gitarre spiele, leg ich auch nicht direkt mit dem schwierigsten Stück im Repertoire los, sondern lockere alle Muskeln durch ein bisschen Warmspielen.
Den Absatz testweise zu streichen, ist natürlich nicht einfach, aber das Leben ist kein Ponyhof.
Diese Weisheit ist, wie eigentlich das meiste andere, was ich so von mir gebe, nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern stammt von Andreas Eschbach, der diesen und andere Überarbeitungstips in seinem 10-Punkte-Text-ÜV zusammen gefasst hat. Mit dieser Sammlung von Überarbeitungsvorschlägen kann man jeglichen eigenen (oder fremden) Text durchgehen und auf mögliche Schwachstellen prüfen.
"Schwach" ist hierbei allerdings definiert als "schwer zugänglich", bzw. "Schwer zu lesen". Wenn es das Ziel des Autors ist, den Leser zu verwirren, einen schon als Typographie verstörenden Text zu tippen oder schlicht als besonders hochtrabend intellektuell aufzutreten, sind diese Tips nicht zielführend. Sie machen den Text nämlich tatsächlich leicht zugänglich und lassen mitunter den Autor als Wortschmied etwas in den Hintergrund treten.
Der Text-TÜV rät zu solchen Dingen wie Adjektive streichen (ja, alle!), Blähwörter kennzeichnen, Dialogauszeichner unterstreichen, lange Sätze markieren usw.
Wenn man das alles getan hat, sind drei Dinge passiert:
1. Der Text lebt noch. Man hat zwar Streichvorschläge, aber es ist noch nichts passiert. Also, Ruhe bewahren!
2. Man hat sich intensiver mit den Innereien seines Textes beschäftigt, als es bei den allermeisten Autoren ohne einen solchen Fahrplan der Fall ist. Die meisten lesen einen Text leise zur Kontrolle und stellen hier und da etwas um. Der Text-TÜV will eine ganz andere Form von Gründlichkeit.
3. Alle möglichen Dinge springen einem ins Auge.
Ab hier ist es wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass es sich um Überarbeitungsvorschläge handelt. Man kann auch alles so lassen, wie es war. Wenn man weiß, dass eine Passage nun mal sperrig gehört, wenn man will, dass ein Erzähler sich wiederholt, dann ist das eben so. Oft jedoch wollte man eigentlich nur eine Geschichte erzählen. In dem Fall beginnt an dieser Stelle die eigentliche Arbeit.
Der Text-TÜV (den Namen fänd ich eigentlich um Längen besser, aber egal) ist ein schönes Stück Autorenerfahrung. Er funktioniert mit Stift und Zettel und benötigt im Wesentlichen Hingabe, Fleiß und den Willen, den eigenen Text besser zu machen.
Wenn man auf Technik steht, kann man für schlappe 169,00 Euro auch die Software "Papyrus Autor" kaufen. Ich will mich gar nicht allzu lange über dieses Programm auslassen. Es hat einige unglaubliche Vorteile, hat mich andererseits aber nicht genug umgehauen, dass ich das Geld bisher direkt auf den Tisch gelegt hätte. Falls ich jedoch mal eine professionelle Software speziell für Autoren kaufen sollte, wird es "Papyrus Autor" werden. Und dann lege ich auch noch einmal einen ausführlicheren Bericht nach.
Schöne Funktionen sind unter anderem:
- Ablenkungsfreies Schreiben, ähnlich zu WriteMonkey
- automatisches Umwandeln des Textes in eine Standardseite
- integrierte Vollversion des Duden Korrektor(!)
- Zielvorgaben, Abgabetermine, ausufernde Textstatistiken
- Notizenbereich
- Kapitelübersicht
Für den Text-TÜV-Liebhaber am interessantesten ist jedoch, dass Papyrus Autor unter Mithilfe von Andreas Eschbach eine Stilanalyse nach obigem Prinzip eingebaut hat, die auf Knopfdruck die ganze Markierungsarbeit erledigt und den unbedarften Autor in tiefe Verzweiflung stürzt. Denn man muss es sich gerade dann noch einmal ins Gedächtnis rufen, dass es sich lediglich um Vorschläge handelt, wenn eine Maschine den eigenen Text in Frage stellt.
Meine Erfahrungen mit einer Testversion von "Papyrus Autor", die Texte bis zu einer gewissen Länge analysierte, waren jedenfalls erstaunlich. Von rein äußerlichen Stolperfallen geriet ich schnell in eine tiefere Beschäftigung mit der Erzählung hinter dem Text. Und darum geht es am Ende: Um die Geschichte.
Probiert es einfach mal aus. Dieser Text wurde nicht voll durchanalysiert, aber ich habe den ursprünglich ersten Absatz gestrichen. Diesen Tip habe ich derart verinnerlicht, dass ich es fast automatisch mache. Ein bisschen wie "Papyrus Autor"...
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